Teneriffa

Reisebericht

Riding on a Volkano!!

Fly & Ride in Reinkultur. Während wir unseren Aufenthalt in Teneriffa planten, haben wir nicht damit gerechnet, dass uns der stille Vulkan ins Schwitzen bringen, oder wir einen Abstecher ins die Sahara machen würden. So kam also vieles anders als gedacht. „Vamos a tenerife!“

„Adios meine Freunde!“ rief uns Martin, Verenas Bruder, beim Austeigen aus dem Auto nach. Er brachte uns an einem regnerischen Tag im März 2018 zum Flughafen Wien-Schwechat. Nun begann auch gleich der für uns schon gewohnte Ablauf: Gepäck abgeben, Sicherheitskontrolle, dem Sicherheitspersonal erklären, dass es sich um einen Motorradhelm handelt und das lange Warten am Gate. Dort lernten wir Maya & Sascha kennen, zwei kleine Mädchen, die ihren Flug ganz ohne Eltern absolvierten. Im Flugzeug kümmerten sich die Stewardessen herzlich um die zwei Kleinen und wir hatten jede Menge zu lachen. Nicht nur wegen der Mädchen. Kurz nach unserem Start in Wien begann die kostenlose Sightseeing-Tour mit unserem Austrian Airlines Piloten. Er machte uns mit Durchsagen auf viele Sehenswürdigkeiten aufmerksam, wie etwa den Großglockner, Zugspitze, Genfer See und schließlich der Teide. Nach der Landung auf Teneriffa ging es mit dem Bus ging in den Westen der Insel zur Costa Adeje.

 

Teneriffa on Bike

Am nächsten Morgen wurden wir durch Vogelgezwitscher sanft geweckt und genossen bei angenehmen 18 Grad den Sonnenaufgang auf unserer Terrasse. Im Vorfeld unserer Reise haben wir uns dazu entschlossen, nur von einem Hotel aus die Insel zu erkunden. Nach einem gemütlichen Spaziergang am Strand konnten wir pünktlich um 12 Uhr unsere Motorräder übernehmen. Wie so oft bei unseren Fly & Ride Touren wurden wir herzlich von einem Mitarbeiter, der Agentur Teneriffa-on-bike, auf Deutsch begrüßt. Wir haben uns für die BMW 700 GS entschieden. Ausgestattet mit Topcase und einem Navi starteten wir voller Vorfreude die Motoren.

Am ersten Fahrtag führte uns die Route von der Costa Adeje parallel zur Autobahn in den Nord-Westen der Insel. Kleine Straßen, oft sogar einspurig, schlängeln sich der Küste entlang Richtung Santiago del Teide. Dort beginnt mit der TF-436 ein wahrer Kurvengenuss zur Masca Schlucht. Folgt man der Straße weiter bis nach Buenavista del Nte. kommt man zur TF-445 und danach zu einem großen Parkplatz bei einem Golfplatz. Dort befindet sich das Restaurant El Burgado wo wir uns nach den vielen Kurven eine Stärkung gönnten. Das Restaurant ist komplett in die Umgebung integriert und die Vulkangesteine am Rande der Küste bieten einen unvergleichlichen Blick auf die Landschaft der Teno-Klippen.

Naturparadies Teide

Nach der Stärkung ging es auf der TF-42 Richtung Westen weiter und dann bogen wir nach Las Cruces auf die TF-421 ab. Hier schlängeln sich nur wenige Kurven den ersten Küstenabschnitt hinauf. Von Mirador de Garachico genossen wir einen wunderbaren Ausblick auf die Nordküste bei El Guincho, bevor wir beschlossen wieder zurück zu fahren und wählten dazu die TF-38.

Zuerst führt die Straße durch Nadelwälder und nach kürzester Zeit erreicht man eine verlassene Mondlandschaft. Die TF-38 ist der perfekte Einstieg in das Abenteuer Teide. Er ist mit 3.715 Meter der höchste Berg Spaniens und der drittgrößte Inselvulkan der Welt. Das Gebiet rund um den Vulkan wurde als Nationalpark ausgewiesen und 2007 in das Weltnaturerbe der UNESCO aufgenommen.

Wir konnten es noch gar nicht richtig glauben, da stehen wir nun, mit dem Motorrad auf einem Vulkan. Wir beschlossen, es für den ersten Tag gut sein zu lassen und machten uns auf den Heimweg. Bei der Kreuzung TF-38 und TF-21 wussten wir noch nicht wirklich, dass wir noch einen langen, aber wunderschönen Heimweg vor uns hatten. Denn die TF-21 und dann die TF-51 bilden ein wahres Kurvenparadies. Perfekt ausgebaute Straßen, super Asphalt und aufgrund der untergehenden Sonne fast kein Verkehr, das alles zauberte uns ein Lächeln unter den Helm.

 

Alte Landstraße

„Das ist ein Wahnsinn!“, die ersten Worte von Verena durch das Kommunikationssystem im Helm. Mit der aufgehenden Sonne im Rücken fuhren wir Richtung Santa Cruz, im Osten der Insel. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten entweder auf der Autobahn oder die bereits in die Jahre gekommene, alte Landstraße TF-28. Die mehr als 90 Kilometer bis Santa Cruz waren der perfekte Start in unseren zweiten Fahrtag. Wenig Verkehr und unzählige Kurven auf kleinen Straßen waren genau das, was wir gesucht haben. Dazu fast immer einen wunderschönen Ausblick auf die Küste. Die Route führte uns dabei immer wieder durch bezaubernde Städtchen mit vielen kleinen Geschäften und einladenden Caféhäusern. Wir stoppten immer wieder, um die Aussicht entlang der Strecke genießen zu können.

In Santa Cruz angekommen waren wir ein wenig überfordert. Plötzlich viel Verkehr, Stadtlärm und wir blickten uns fragend an: „Wollen wir hierbleiben?“. Die Antwort war schnell gefunden: „Wir fahren weiter nach Osten!“ Das Ziel des heutigen Tages hieß Rural de Anaga Park. Nur wenige Minuten von der Hauptstadt Santa Cruz entfernt befindet sich der zum Biosphärenreservat erklärte Landschaftspark Anaga. Das Bergmassiv nimmt einen Großteil der Fläche im Nordosten ein und gilt als beliebtes Ausflugsziel. So wollten wir uns auch ein Bild davon machen, und wir wurden nicht enttäuscht. Bei der Auffahrt über die TF-12 nach El Bailadero kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus und wir diskutierten heftig über die ausgewählten Fotostopps. Je weiter wir nach oben kamen, desto nebeliger und mystischer wurde die Stimmung. Wir hatten das Gefühl in der Wolkenschicht angekommen zu sein. Die Temperatur sank rapide und wir konnten die Wolken vor uns beobachten, wie sie sich über die Bergrücken wälzten.

Zurück in den Westen veränderte sich die Landschaft weiter und plötzlich fuhren wir durch einen Dschungel. Die Straße war von den Pflanzen regelrecht überdacht worden und so fühlten wir uns eher wie an einem Jurassic Park Film als auf einer Motorradtour.

 

Sprachlos

Bei San Cristóbal de La Laguna sahen wir schon die großen Hinweisschilder mit „Teide“ und folgten diesen auf der TF-24.  Kurz zusammengefasst: eine wahre Rennstrecke. Wir schalteten unsere Boardcomputer auf „Dynamisch“ und kosteten jede Kurve hinauf auf den Teide so richtig aus. Unzählige Fotostopps boten uns nicht nur atemberaubendes Panorama, sondern auch perfekte Pausen vom Kurvenrausch. Wie unter anderem der Ausblick wie bei Mirador de Ayosa auf die in eine Schneedecke gehülte Spitze des Vulkans, Mirador de La Crucita, La Tarta oder Puerto de Izana. Die Landschaft wurde immer karger und sehr schnell wurden die Gesteine immer dunkler. Jetzt sind waren wir am Hochplateau, inmitten von Vulkangestein, angekommen.

Die Landschaft wirkt unecht und findet ihren Höhepunkt beim Aussichtspunkt des Roques de García. Eine Felsformation aus unzähligen kleinen Türmen. Der bekannteste der bizarr geformten Türme aus vulkanischem Gestein ist der Roque Cinchado, der auch Steinerner Baum oder Finger Gottes genannt wird und als Wahrzeichen der Insel gilt. Nur ein paar Schritte davon entfernt befindet sich der La Ruleta Vista Point, von dem man eine atemberaubende Aussicht auf die Hochebene hat. Wir konnten die letzten Kilometer noch immer nicht wirklich in Worte fassen und genossen schweigend diese  magischen Momente.

 

Calima

Am lezten Fahrtag unserer Reise beschlossen wir, den Norden rund um Puerto de la Cruz zu erkunden. Bereits bei der Rezeption wurden wir, wie schon die letzten Tage mit einem herzlichen „Buenos dias!“ begrüßt, heute jedoch winkte und der junge Mann zu sich. Momentan wussten wir nicht, was er von uns wollte. Dann sagte er: „Calima!“. Wir kannten uns noch immer nicht wirklich aus was er von uns wollte. „Sandstorm!“ sagte er, gefolgt von den Worten „Sahara Sand“. Fast wie einstudiert nickten wir und bedankten uns bei ihm mit einem knackigen „Gracias!“ und einem Lächeln im Gesicht. „Was wollte er von uns?“, „irgendwas mit einem Sandsturm.“, fragten wir uns beim Rausgehen, aber als wir draußen vor dem Hotel ankamen wussten wir was er meinte. Die ganze Insel war in eine Sandwolke gehüllt.  Vor der Abfahrt recherchierten wir noch im Internet den Begriff: „Calima“, und fanden heraus, dass Calima ein Sandwind aus Afrika ist, der bei Ostwind auf die Kanarischen Inseln trifft. Die Spanier sagen dazu auch „Bruma seca“ – „trockener Nebel“. Dieser Sandwind kann teilweise zu extremen Temperaturanstiegen und oft zu Reizung der Atemwege führen. Die auf der Fahrt rauf auf den Teide erlebten Temperaturschwankungen, werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Oben angekommen waren wir endlich wieder weg vom Nebel und konnten wieder die perfekte Straße der TF-21 genießen.

Wir genossen den letzten Fahrtag in vollen Zügen, machten viele Pausen und genossen die Stimmung. Zum Abschluss machten wir natürlich noch ein Foto mit unseren Motorrädern beim Schild des Teide Nationalparks.

Die nächsten Tage erkundeten wir die wunderschöne Insel zu Fuß, gingen wandern und genossen das großartige Wetter am Strand. Wir waren uns einig: Teneriffa bietet eine Vielzahl von Aktivitäten und Möglichkeiten abseits der Straße, doch die Touren mit dem Motorrad machten Teneriffa für uns erst perfekt.

Reiseroute

Länderinfos

Die beste Reisezeit für Teneriffa ist von April bis Oktober. Das Wetter ist beständig warm und lädt sowohl zu einem Badeurlaub als auch zum Aktivurlaub ein. Für einen Winterurlaub mit Schneegarantie auf dem Pico del Teide ist die beste Reisezeit zwischen Dezember und Februar.

Die Kanarischen Inseln sind das ganze Jahr über ein beliebtes Reiseziel. Hauptsaison auf den Kanaren ist im Sommer und Winter. Vor allem während der Ferienzeit im Juli und August herrscht in den Urlaubszentren der größeren Inseln lebhafte Ferienstimmung.

Hilfreiche Links

Teneriffa on Bike: https://www.teneriffa-on-bike.de/