Marokko

Reisebericht

Kohletabletten, neue Freunde aus Deutschland, teure Touristenfallen, wilde Dromedarritte durch die Wüste und Sandstürme. Unsere zweite Reise nach Marokko hatte es in sich. Wie so oft entschlossen wir uns für eine Fly & Ride Tour. Die Route führte uns vorbei an den Königsstädten, durch grüne Wälder und fruchtbare Täler, in die größte Wüste der Welt und zurück über die höchsten Pässe Nordafrikas – das war unser Abenteuer Marokko 2.0

Mit einem verschlafenen „Bonjour“ wurden wir von unserem Taxifahrer am Flughafen in Casablanca abgeholt. Unser Flieger aus Wien kam erst um Mitternacht an und wir wollten gar nicht wissen, wie viele Stunden der junge Mann hinter dem Steuer an diesem Tag bereits gearbeitet hatte. Sein rostiger Dacia hatte bereits mehr als 300.000km auf der Uhr aber lief noch wie frisch aus dem Verkaufsraum. Sein rostiger Dacia wies bereits mehr als 300.000 km auf dem Kilometerzähler auf, aber er lief noch „frisch“ wie ein Neuwagen. Bei der ersten roten Ampel blieben wir stehen und  bemerkten, dass  wir die einzigen Verkehrsteilnehmer waren,  die sich um diese Uhrzeit an das „STOP“ hielten. Wahrscheinlich wäre unser Fahrer auch einfach daran vorbei gefahren, wenn er keine Fahrgäste gehabt hätte.

Beim Hotel angekommen, stiegen wir aus dem Taxi aus und sofort wurden uns die Rucksäcke und anderen Gepäckstücke abgenommen. Selbst um diese Uhrzeit wurden wir herzlich willkommen geheißen. An der Rezeption bekamen wir unseren Zimmerschlüssel und auch die Schlüssel für die Motorräder, die bereits am Hotelparkplatz auf uns warteten. Am nächsten Tag wechselten wir für die kommenden Tage noch unser Bargeld in Dirham und nun konnte es endlich losgehen.

Start ins Abenteuer

Die erste Etappe unserer Reise führte uns von Casablanca nach Azrou. „Ihr werdet jede Menge Spaß haben, am ersten Tag!“, kündigte uns Greg die erste Tagesetappe an. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er die Firma „Wheels of Morocco“. Wie bei unserem ersten Besuch, stellten die beiden unsere Route für die nächsten sieben Tage zusammen und buchten im Vorhinein die Unterkünfte für uns. Als offizielle BMW Motorrad Partner bieten sie zB auch begleitete On- und Offroad Touren durch Marokko an.

Wir verließen nun Casablanca rasch über eine Art Schnellstraße Richtung Nordosten, die nach wenigen Kilometern immer schmäler und die entlang dieser Straße liegenden Orte immer kleiner wurden. Jetzt waren wir in Marokko angekommen. Vorbei an Straßensperren und dem hektischem Treiben in den Dorfzentren. Wir haben es vermisst. Gegen Abend kamen wir in unserem Hotel „Le Palais des Cerisiers“, wurden vom Parkplatzwächter herzlichst begrüßt und durften unsere Motorräder gleich neben dem Eingang zum Hotel parken. Nach einer kurzen Erfrischung beschlossen  wir, noch die Sonne auf der Terrasse, von der man einen schönen Blick über die Hotelanlage und den Eingangsbereich des Hotels hatte, zu genießen. Wir fragten uns schon bei der Ankunft,  warum vor dem Hotel so viele Leute standen, aber jetzt wurden es immer mehr und mehr. Während wir das hektische Treiben beobachteten, wurde plötzlich marokkanische Musik gespielt, und da wussten wir: „Hier wird etwas gefeiert!“ Neugierig, wie wir sind, beschlossen wir, hinunter zu gehen und die Lage ein wenig auszuspionieren. Nachdem Martin einen der Gäste ansprach, erfuhren wir, dass es sich um eine Firmenfeier einer nahegelegenen Bank handelte. Plötzlich nahm der Mann Martins Hand und führte ihn in die Mitte des Tanzkreises. Diese freundliche Geste war eine herzliche Einladung an ihrer Feier teilzunehmen. Zuerst waren wir etwas überrascht über diese Gastfreundschaft und eher zurückhaltend, doch bald war der Bann gebrochen und wir feierten eifrig mit den anderen Gästen. Was für ein Erlebnis.

„Affengeil“

Am nächsten Tag läutete früh der Wecker und wir genossen bei strahlendem Sonnenschein und über 20°C das marokkanische Frühstück. Heute stand nur eine kurze Etappe bis nach Fes am Programm. Die nicht ganz 70 km sollten aber eine Überraschung für uns parat halten.

„Bon Voyage!“, rief uns der Parkwächter zu und winkte uns nach. Wir scherzten über unsere Kommunikationssysteme und genossen die ausgelassene Stimmung. Nach einer kurzen Fahrt auf der gN8 bogen wir nach wenigen Minuten auf die P7229 ab.  Zuerst passierten wir große Wälder und jede Menge Sportler am Wegesrand, als  plötzlich  ein Auto mitten auf der Straße stand. Schon wollten wir vorbei fahren, doch der Beifahrer des Autos signalisierte uns stehen zu bleiben. Plötzlich sahen wir auch warum. Unzählige kleine Berberaffen tummelten sich auf der Straße und in den Bäumen. Marokko ist eines der wenigen Ländern, wo diese Affenart noch freilebend zu finden ist. Berberaffen können sehr gut klettern, verbringen aber einen Großteil des Tages auf dem Boden und sind vor allem dafür bekannt, dass sie außer dem Menschen die einzige freilebende Primatenart Europas sind. Sie sind Allesfresser und das bekommen wir bald hautnah mit. Um die Kurve stand noch ein zweites Auto und zwei jungen Männer hatten jede Menge Fladenbrot für die Tiere mitgebracht. In Nordafrika gibt es nach einer Schätzung aus dem Jahr 2013 weniger als 7000 Tiere und der Bestand geht leider aufgrund der Zerstörung ihres Lebensraumes immer weiter zurück. Heute leben rund 70 % aller Berberaffen in Marokko und gelten als „endangered“ – stark gefährdet. Wir beobachten das „Affentheater“ und das bunte Treiben und unsere Kameras laufen heiß. Dann bekamen auch wir von einem der jungen Männer ein Stück Brot und wir ließen es uns, bevor wir uns auf die Weiterfahrt machten, natürlich nicht nehmen, ein paar Leckerbissen an diese  niedlichen  Lebewesen zu verfüttern.

Nach nur wenigen Kilometern  erreichten wir Ifrane.  Ifrane liegt auf einer Höhe von etwa 1650 Metern und erinnert mehr an einen Schweizer Skiort als an eine Stadt in Nordafrika. Die moderne und auch gepflegte Kleinstadt in den Bergen des Mittleren Atlas ist eine beliebte Sommerfrische und ein ebenso beliebter Wintersportort für die marokkanische Mittel- und Oberschicht.

Von Süden näherten wir uns unserem heutigen Ziel: Fes. Die N8 führt direkt ins Stadtzentrum, wo wir unsere Motorräder auf einem bewachten Parkplatz für umgerechnet 2€ pro Tag abstellten, unsere Motorradtaschen packten und uns auf den Weg zu unserer Unterkunft machten. „In diese Gasse müssen wir?!“, fragte Martin skeptisch. „Ja, da muss es sein!“, antwortete Verena und suchte an den glatten Hauswänden nach einem Hinweis. Plötzlich fragte jemand aus einer offenen Tür: „Wheels of Morocco?“. „Qui!“, antworteten wir im Chor und waren froh, unser Riad gefunden zu haben. Ein Marokkanischer Riad ist ein traditionelles, marokkanisches Haus oder ein Palast mit einem Innenhof. Wir kannten diese Art von Unterkünften bereits von unserer ersten Marokko Reise, aber dieses Riad machte uns sprachlos. Von außen erahnt man nicht die Schönheit, die sich im Inneren verbarg. Eine Vielzahl von kunstvoll gestalteten Fliesen schmückten den gesamten Innenhof. Wir wurden behandelt wie Könige. Sofort nahm uns jemand das Gepäck ab, forderte uns auf, uns zu setzten und reichte uns frischen Tee. Wie so oft während der Reise in diesem Land wurden wir wieder von dieser Gastfreundschaft überrascht. Nach dem Check-In tauschten wir Motorradhelm gegen Sonnenbrille und machten uns daran, die Stadt zu erkunden.

Fes ist eine der größten Städte Marokkos und die älteste der vier Königsstädte. Wir kämpften uns durch kleinen Gassen und Märkte und Lärm und eine Vielzahl von Gerüchen strömte uns entgegen. Touristenmassen wurden von ihren Reiseleitern von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit „geschleppt“ und dieses Bild erinnerte uns sehr an Marrakesch. Fast an jeder Ecke wird man hier von jungen Männern angesprochen, die einem ganz besondere Eindrücke der Stadt vermitteln wollen. Wir kannten diese Masche bereits und winkten dankend ab. Aufgrund der schlechten Orientierungsmöglichkeiten in den kleinen Gassen konnten wir dann doch nicht widerstehen und ließen uns auf so eine „Privatführung“ ein. Mohammad führte uns durch noch kleinere Gassen, in Treppenhäuser, quer durch Geschäfte und kleine Hintertüren auf das Dach eines Gebäudes und währenddessen erzählte er uns in gebrochenem Englisch etwas über die Stadt. Nachdem Martin ihm etwas Geld gab, wurde er lockerer und wir redeten auch über seine Familie, Bildung und den Tourismus in Marokko. Wir fragten ihn, ob er uns auch zu einer der traditionellen Gerbereien und Färbereien bringen könnte. Ein kurzes Nicken und schon ging die wilde „Erkundungstour“ weiter, wieder durch unzählige Räume, Türen und Treppen. Kurze Zeit später fanden wir uns auf einer wunderschönen Terrasse mit perfekten Blick auf die berühmten Gerberbecken wieder und erfuhren, dass es im April hier sehr angenehm ist, aber sich im Sommer bei extremer Hitze ein fürchterlicher Gestank entwickelt und die Arbeit in den bunten Wasserbecken dadurch sehr beschwerlich ist.

Ab in die Wüste

Am nächsten Tag packten wir zwar schweren Herzens unsere Motorradsachen zusammen, es war wirklich eine tolle Zeit in Fes und wir kommen bestimmt wieder, aber wir freuten uns auch schon sehr auf die nächsten Etappen Richtung Wüste. Bevor es richtig losging, suchten wir uns eine Tankstelle im Süden von Fes, wo wir tanken und uns noch mit Wasser eindecken wollten. Als wir den Blinker setzten und zur Tankstelle abbogen, sahen wir schon eine ganze Gruppe Motorräder bei den Zapfsäulen stehen. Wir stellten uns brav an und nahmen beim Warten die Helme ab. Plötzlich wurden wir von einem spanischen Pärchen angesprochen, das uns erzählte, dass es mit einer Motorrad-Reisegruppe aus Spanien unterwegs ist und auf Instagram unsere Reise verfolgt. Als die beiden dann gesehen haben, dass wir auch zur selben Zeit in Fes sind, hätten sie nie damit gerechnet uns zu treffen, umso größer war nun die Freude der Beiden. Wir tauschten freudig die Kontaktdaten aus und wünschten uns gegenseitig noch eine wunderbare Tour.

Auf unserer Route in den Süden war relativ viel Verkehr und so beschlossen wir nach ein paar riskanten Überholmanövern von alten LKWs eine Pause einzulegen. In dieser Gegend veränderte sich das Landschaftsbild mit jedem Kilometer. Die anfangs saftigen Wiesen, Wälder und kleinen Bäche verschwanden und es wurde zusehends trockener. Daran bemerkten wir, dass die Wüste, wie wir sie kennen, nicht mehr weit sein konnte. Plötzlich bremste Verena und schrie in ihr Kommunikationssystem: „Martin!! Pass auf, eine Schildkröte!!“ Ein paar Meter nach ihr blieb Verena stehen, Martin konnte noch vor ihr stehenbleiben und setzte die Warnblinker, um Autofahrer zu „warnen“. Es war nicht viel Verkehr, jedoch entschieden wir uns, der Schildkröte an den Straßenrand in sicheres Terrain zu helfen. So nahm Martin die Schildkröte auf und legte sie sanft ins Schilf. Das war für uns die erste Begegnung mit wildlebenden Schildkröten.

Kurz danach machten wir eine Pause, um die neue Landschaft zu genießen. Während wir gerade ein paar Fotos von der Wüstenlandschaft machten, bemerkten wir, dass ein paar Meter vor uns ein  Motorrad stoppte. Fahrer und Sozius drehten sich zu uns um und wir waren uns nicht ganz sicher, ob sie etwas von uns wollten. Da wir auch gerade weiterfahren wollten, beschlossen wir bei ihnen stehen zu bleiben und zu fragen, ob alles okay ist. „Hey guys, is everything okay?“ fragten wir durch den geschlossenen Helm. „Ja, alles gut, wir können auch Deutsch reden!“ Wir freuten uns darüber und mussten nun gemeinsam darüber lachen,  hätten wir doch nur auf das deutsche Nummernschild an der 12er GS schauen müssen. Unsere Freude war groß, Timo und Gordula kennenzulernen. Die zwei „kannten“ uns bereits über Facebook und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Daher beschlossen wir,  gemeinsam bis zu unserer Unterkunft zu fahren und dort beim Abendessen weiter zu quatschen. Das heutige Ziel war das Hôtel Taddart in Midelt, welches wir relativ früh am Nachmittag erreichten.  Somit konnten wir unser Check-in relativ rasch erledigen, in Ruhe unser Gepäck ins Zimmer bringen und hatten auch noch genügend Zeit für einen von Greg empfohlenen Abstecher in eine nahegelegene, verlassene Mienenstadt. Die Miene von Ahouli befindet sich etwa 25 km nordöstlich von Midelt. Der Weg dahin ist anfangs noch asphaltiert, wird aber schnell zu einer wunderschönen Schotterstraße. Alte Holzbrücken und schmale Kurven machten den Ausflug zwar zu einem ganz besonderen Highlight, aber es sollte bald zu einem wahren Abenteuer werden. Ahouli liegt an einem Fluss in einem schmalen Tal und ist schon seit Jahrzehnten verlassen, was alte, vor sich hin rostende Geräte und Maschinen eindrucksvoll bezeugten. Eine faszinierende, interessante, aber auch gleichzeitig gruselige Stimmung ließ Martin beschließen, die Schotterstraße noch bis zum Ende zu erkunden. Er entschied, sich mit Verenas Motorrad auf den Weg zu machen, startet voller Vorfreude den Motor und gab Gas. Verena schrie ihm noch nach: „Der Schlüssel steckt hinten am Koffer!!“, doch Martin hörte weder ihr lautes Rufen, noch sah er ihr hektisches Winken im Rückspiegel. Voll Abenteuerlust bretterte er die schmale Bergstraße hinauf und genoss die tolle Offroadetappe in vollen Zügen. Oben angekommen blieb er stehen, um den faszinierenden Augenblick auf ein paar Fotos festzuhalten. Zufrieden wollte er sich kurz darauf wieder auf den Rückweg machen, stieg auf die Maschine und drückte den Startknopf.  Stille – kein Dröhnen des Motors war zu hören. Martin drückte nochmals auf den Startknopf, aber der Motor gab keinen Laut von sich. Zuerst ein wenig verunsichert, realisierte  er sehr bald, was passiert war. Dieses Motorrad  verfügte über das „Keyless Go“-System und ließ sich daher ohne aktive Benutzung eines Schlüssels durch bloße Betätigung des Startknopfes starten;  aber natürlich nur dann, wenn der Keyless-Go-Schlüssel mit Chip auch in der „Nähe“ des Fahrzeuges war. Durch die Erschütterungen hatte sich der Schlüssel offensichtlich vom Koffer gelöst. Kurz begann Panik in Martin hochzusteigen: den Schlüssel verloren – in Marokko – abseits der Zivilisation – in einem verlassenen Mienendorf – auf einer Schotterstraße – und noch dazu von Verenas Motorrad!! Leicht verzweifelt schaffte es Martin, das Motorrad Richtung bergab zu drehen und es im ersten Gang und mit gezogener Kupplung langsam die Schotterstraße hinunterrollen zu lassen. Seine Augen waren dabei voll konzentriert auf den Weg gerichtet. Nach nur etwa 100 Meter entdeckte er am linken, staubigen Straßenrand etwas Glänzendes – den Schlüssel der BMW. Erleichterung pur! Mit einem breiten Grinsen erzählte dann Martin später bei einem Bierchen im Hotel, wo wir viele andere Motorradfahrer kennenlernten, nicht nur einmal seine Geschichte, Verena schmunzelte und wusste nicht, ob sie nur erleichtert oder auch ein wenig „böse“ auf ihn ein sollte.

Sandsturm und Privateskorte in die Wüste

Am nächsten Tag merkten wir schon beim Aufstehen, dass uns ein sehr heißer Tag bevorsteht. Nach dem Frühstück war die Stimmung wie bei einem Etappenstart der Rallye Dakar. Vor dem Hotel standen schon unzählige Motorräder, die für die geplanten Tagesetappen fertig gemacht wurden, vor allem trafen wir viele Franzosen und Spanier, die mit geführten Touren unterwegs waren, an. So starteten auch wir unsere Motorräder und machten uns auf den Weg Richtung Süden. Unser heutiges Ziel: Merzouga. Timo und Gordula beschlossen, uns heute noch zu begleiten und wir freuten uns sehr über ihre Gesellschaft. Die Temperatur stieg rasch an und wir blieben öfter stehen, um Trinkpausen zu machen. Kurz vor Erfoud sahen wir mehrere hundert Meter vor uns einen LKW im Straßengraben liegen. Wir hielten natürlich an der Unfallstelle an um eventuell zu helfen, da aber schon einige Personen Erste Hilfe leisteten, hielten wir uns eher im Hintergrund und beschlossen dann, weiter zu fahren. Wir sahen diesen Unfall aber auf jeden Fall als Warnung, dass auch diese oft kilometerlang nur geradeaus verlaufenden Straßen sehr gefährlich sein können.

Kurz erholten wir uns noch bei kühlen Getränken im Dakar Cafe, bevor wir zur letzten Tagesetappe nach Merzouga aufbrachen. Es war sehr windig und vor allem extrem heiß. Der Sandsturm heizte die Luft an und unter den Helmen fiel uns das Atmen regelrecht schwer. Endlich in Merzouga angekommen, fuhren wir erstmal in das Hotel. Dort wollten wir aber nicht schlafen, sondern am Abend mit Dromedaren in „unser“ Wüstencamp reiten. So weit so gut, als wir uns dann aber bei der Rezeption anmeldeten, wussten die nichts von unserem Vorhaben. Wir waren zwar für das Wüstencamp gebucht, nicht aber für die Tour mit den Dromedaren. Da war augenscheinlich ein Fehler bei der Buchung passiert. Der Chef des Hauses telefonierte hektisch ein paar Minuten auf Arabisch und sagte dann zu uns: „Good, you go with the camels!“ Wir waren unheimlich erleichtert und konnten es nun kaum mehr erwarten. Die Tour sollte pünktlich um 17 Uhr losgehen, mehr als 90 Minuten betrug der Weg auf den schaukelnden Wüstenschiffen zum Wüstencamp.  Als der Rest der Gruppe zusammenkam wurden zuerst einmal die Namen der Personen, die draußen auf dem Parkplatz auf weitere Anweisungen warten sollen, aufgerufen. Alle Namen wurden vorgelesen und einer nach dem anderen verließ das Hotel. Nur wir nicht !! Gott sei Dank klärte der Chef auch diese Situation schnell auf und sagte uns, dass wir mit einer andern Tour mitgehen würden. Schon nach ein paar Minuten wurden wir von einem klimatisierten Van abgeholt und zu einer Kreuzung in der Wüste gebracht, wo bereits ein Jeep auf uns wartete. Während unser Gepäck umgeladen wurde, konnten wir unsere Turbane wickeln.

Nach einer kurzen Fahrt quer über kleine Sanddünen und vorbei an anderen Wüstencamps, sahen wir schon in der Weite einen traditionell gekleideten Mann mit zwei Dromedaren. Endlich konnten auch wir auf den Rücken der Wüstentiere unseren Ritt durch die Dünen der Sahara starten. Bereits das Aufsteigen auf diese großen Tiere war eine besondere Herausforderung und danach wurde man bei jedem Schritt ordentlich durchgebeutelt. Natürlich gab es die eine oder andere lustige Situation, die wir bei einigen Fotostopps filmisch festhielten, und auch  Mohammad, so hieß der Mann, der uns mit den Dromedaren begleitete, ließ sich gerne  fotografieren. So genossen wir gemeinsam die Stimmung in den Dünen.

Nach unzähligen Fotos und Videos kamen wir in unserem Wüstencamp an, wo wir herzlich mit einer Kanne Tee und kleinen Snacks bei unserem ganz privaten Zelt gegrüßt wurden. Im Moment wussten wir gar nicht wie uns geschieht. Nach kurzer Zeit wurden wir von unserem Jeep –Fahrer, der sich auch als Chef des Camps herausstellte, in traditionellen Gewand begrüßt. Er erklärte uns, dass wir aufgrund des Buchungsfehlers in das „Royal Luxury Sahara Camp“ umgebucht wurden. Beim üppigen und farbenfrohen Abendessen in unserem privaten Speisezelt ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren – Was für ein Tag!

Gorges du Dades

Am nächsten Morgen wurden wir nach einem königlichen Frühstück mit dem Jeep zurück zu unseren Motorrädern gebracht. Schweren Herzens verließen wir Merzouga auf der N12 und ließen die großen Sanddünen hinter uns. Das Ziel des Tages war die Dadesschlucht. Die Route führte uns meistens gerade aus durch flache ausgetrocknete Landschaften. Nach wenigen Kilometern zeigte unser Navigationsgerät auf unserer Route den Übergang von einer asphaltierte Straße in eine Schotterstraße an. Zu Beginn waren wir etwas verunsichert,  da jedoch am Ende des Offroadstücks ein Point of Interest mit der Bezeichnung „Mummy Rock“ gesetzt war, fuhren wir weiter. Der „Punkt“ passte sehr gut zu einem gut sichtbaren Hügel in der sonst so flachen Landschaft. Der Weg dorthin war eine Mischung aus perfekter  Schotterstraße und nicht erkennbaren Sandpisten. Da das Ziel aber ganz klar vor uns lag,  zogen wir einfach unsere eigenen Spuren in den Sand. Dort angekommen, trafen wir auf ein Pärchen aus Spanien, das gemeinsam auf einem Motorrad unterwegs war, und das mit Straßenreifen ! Vor dem imposanten Eingangstor blieben wir stehen und beratschlagten, ob und wie wir am besten bis zum Aussichtspunkt rauf fahren sollten. Verena machte den Anfang und schlängelte sich mit ihrer R1200 GS den schmalen Weg nach oben. Oben angekommen war die Freude wohl so groß, dass sie ihr Motorrad gleich einmal zur Seite legte. Nachdem wir dann beide oben angekommen waren, genossen wir die phänomenale Aussicht. Im 11. Jahrhundert diente diese Felsformation, auch genannt „Gara Medouar“, als Gefängnis und Militärbefestigung. Die Festung war durch eine bis zu 12 Meter hohe Mauer beim Eingangstor gesichert. Im Jahr 1999 diente diese einzigartige Umgebung als Kulisse für den Film „Die Mumie“,  mit Brandon Fraser und Rachel Weisz.

Zurück auf der Hauptstraße ging es für uns weiter auf der N12 und dann auf der R113 nach Tinghir. Die Landschaft war hier wenig abwechslungsreich und wir waren froh als wir in Boumaine ankamen. Von dort aus waren es nur noch wenige Kilometer bis zu unserer Unterkunft.

Am vorletzten Tag unserer Reise führte uns die Route über den Atlas nach Marrakesch.  Nach der Besichtigung der Dades Schlucht., machten wir uns auf den Weg nach Ouarzazate. Bereits ein paar Kilometer vor der Stadt konnten wir helle Punkt am Horizont erkennen, hatten aber vorerst keine Erklärung dafür. Bei späterer Recherche für diesen Bericht konnten wir in Erfahrung bringen, dass diese durch ein in der Nähe betriebenes Kraftwerk „entstanden“. Nordöstlich von Quarzazate wird  das größte solarthermische Kraftwerk der Welt betrieben. Eine ideale Lage für ein solches Kraftwerk, da die Sonne hier meist 365 Tage im Jahr scheint. Die Parabolrinnen heizen den Solarturm auf bis zu 700° Celsius auf. Aber nicht nur für das Kraftwerk ist die Stadt bekannt, sondern auch für die vielen Filmschauplätze in der Region. Beispielsweise Szenen aus Game of Thrones, Gladiator oder auch die Serie Prison Break wurden hier gedreht.

Wir ließen die Wüste hinter uns und mit jedem Kilometer veränderte sich die Landschaft, es wurde grüner, die Temperatur sank und wir näherten uns dem Gebirge. Bereits am Navi sahen wir das Kurvenparadies, das nun auf der N9 vor uns lag. Wir näherten uns dem Tizi n`Tichka Pass. Der 2.260 m hohe Gebirgspass im Hohen Atlas schlängelt sich atemberaubend durch die Landschaft. Die Herkunft des Namens leitet sich aus der Berbersprache ab. Tizi bedeutet Bergweide und tichka bedeutet so viel wie „gefährlich“. Oben angekommen, stellen wir zitternd fest, dass die Temperatur hier nur knapp über 0° Celsius betrug, also machten wir uns schnell wieder auf den Weg über die Nordroute nach Marrakesch.

Auf der Speisekarte: Ausgekochte Lammköpfe, Schnecken, ….

Am Nachmittag kamen wir in Marrakesch an und checkten wie bei unserer ersten Marokko-Reise im Adam Park Hotel ein. Schnell brachten wir unser Gepäck aufs Zimmer und zogen uns für eine Sightseeing Tour durch die Stadt um. Bei der Rezeption bestellten wir uns ein Taxi und handelten mit dem Taxifahrer den Preis für eine Fahrt zum Djemaa el Fna aus. Dort angekommen wurde Verena recht nervös und hielt wie immer nach allen Seiten Ausschau nach Schlangenbeschwörern und sonstigem Getier. Der riesige Marktplatz wird wegen seiner orientalischen Atmosphäre von Touristen und Einheimischen gleichermaßen geschätzt. Zu Mittag ist dieser riesige Marktplatz noch recht leer, doch  am späten Nachmittag beginnt er sich schön langsam zu füllen. So herrscht hier an den Abenden ein wildes Treiben bei allerlei Verkaufsständen und Freiluftküchen. Von dort aus schlenderten wir vorerst gemütlich durch die engen Gassen des naheliegenden Basars , bestellten uns zum  Genießen des Sonnenuntergangs auf einer der unzähligen Dachterrassen Minztee und hatten dazu auch noch einen wunderschönen Blick auf den Platz. Danach machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbaren. Wir entschieden uns aber nicht wieder für ausgekochten Lammköpfe, wie bei unserem ersten Besuch in Marrakesch, sondern setzten uns zu  einer der unzähligen Open-Air-Küchen und ließen uns mit marokkanischen Köstlichkeiten verwöhnen.

Casablanca

Den letzten Tag unserer Marokkoreise starteten wir am riesigen Frühstücksbuffet unseres Hotels. Vollgestopft quälten wir uns auf die Bikes und starteten ein letztes Mal die Motorräder Richtung Casablanca. Greg hatte uns für unsere letzte Fahrt wieder eine tolle Strecke zusammengestellt. Die Route führte uns von Marrakesch heraus,  viele Kilometer auf der N8 gerade aus, bevor wir dann weiter nördlich auf kleine Landstraßen abbogen. Diese waren oft nicht asphaltiert und wir hatten zum Abschluss unserer Reise noch einmal auf den Offroad-Strecken so richtig viel Spaß. Wir fuhren lange Zeit an einem Fluss und kleineren Stauseen entlang, die Landschaft wurde immer grüner, Traktoren und Kühe standen am Wegesrand und wir fühlten uns schon fast wie zu Hause.  

In Casablanca angekommen, tankten wir die Motorräder voll und gönnten ihnen in einer der unzähligen Waschstraßen eine gründliche Reinigung vom Wüstensand, der uns seit Tagen am Motorrad begleitet hatte. Um umgerechnet 3 Euro kümmerten sich zwei junge Männer mehr als eine halbe Stunde um unsere Motorräder. Vollgetankt und rausgeputzt kamen sie dann bei Wheels of Morocco an. Wir zwei durften dort die Zeit bis zu unserem Flug verbringen und freuten uns riesig über die Gastfreundschaft von Greg und Viki.

Marokko – das Land, die Leute, die Gastfreundschaft, unsere Freunde, die Landschaft und vieles mehr-  hatte uns bereits beim ersten Besuch in seinen Bann gezogen. Auf dem Weg zum Flughafen schauten wir uns lächelnd an und wussten bereits: „Das war sicher nicht unser letzter Besuch“

Länderinfos

Reiseroute

Hilfreiche Links