Nordkap

Reisebericht

Unser Weg zum Nordkap

Im Sommer vier Wochen mit den Motorrädern durch Finnland und Norwegen. Mit großer Vorfreude, jeder Menge Erwartungen, einer Spur Leichtsinn und Nervenkitzel ohne Ende fuhren wir unserem großen Ziel entgegen – Das Nordkap.

“Kopf einziehen!”, rief uns der Verlademeister am Frachtterminal Wien Hauptbahnhof zu. Mit Schrittgschwindigkeit im ersten Gang wackelten wir die Frachtwagons entlang. Die Situation erinnerte uns an den Beginn unserer Schottlandreise und machte uns bewusst, “Jetzt wird es ernst.” Wir standen beide am Bahnsteig und sahen zu, wie unsere Motorräder festgezurrt wurden. Das war für uns der Startschuss für unser neues Abenteuer.

Mit einem sanften Klopfen an die Kabinentür wurden wir pünktlich um sieben Uhr vom Zugbegleiter geweckt. Ausgeruht kamen wir in Hamburg-Altona an und wie angekündigt, empfing uns die Stadt mit strahlendem Sonnenschein. Der Hamburger Hafen ist einer der größten Umschlaghäfen weltweit und macht Hamburg zusammen mit seinem internationalen Flughafen zu einem der bedeutendsten Logistikstandorte in Europa. Wir kannten die Stadt bereits und entschlossen uns daher für ein gemütliches Frühstück in der Hafenstadt. Bei einem leckeren Krabbenbrötchen beobachteten wir die vielen Touristen, die auf dem Weg in das „Miniatur Wunderland“, der größten Modelleisenbahn der Welt,  in der Speicherstadt, waren. Es war ein herrlicher Tag und das Kreischen der Möwen und das rege Leben am Hafen ließ erstmals Urlaubsstimmung aufkommen.

Schon während der Planung unserer Reise beschlossen wir, die Fähre vom 90 km entfernten Travemünde nach Helsinki (Finnland) zu nehmen. Daher entspannten wir den restlichen Tag an der Promenade und deckten uns mit Proviant für die nächsten Tage ein. Die Motoren der Finnstar brummten bereits vor sich hin, als um Mitternacht das Boarding begann. Nun durchquerten wir die nächsten zwei Tage die Ostsee.

Nach ca. 35 Stunden und einer Strecke von 611 Seemeilen (1.132 km) kamen wir in Helsinki an. Bei einem Blick auf die LiveCam an Bord des Schiffes sahen wir dunkle Wolken und Regentropfen auf der Linse, so wurden wir vom skandinavischen Wetter willkommen geheißen. Nach wenigen Kilometern über kleine Nebenstraßen verließen wir rasch die Hauptstadt Finnlands und starteten in den Trans Euro Trail®. Der Trail führt knapp 2.200 km über kleine Straßen und Schotterstraßen von Helsinki bis an die Grenze Norwegens. Nun standen wir also vor unserem ersten Offroad Abenteuer unseres Lebens. Sorgfältig kontrollierten wir nochmals unser Gepäck und gingen gemeinsam noch einmal die heutige Strecke durch, bevor wir den Boardcomputer auf “Enduro” stellten und die ersten Kilometer auf Schotter zurücklegten. Ab jetzt ging es nur noch in eine Richtung: Norden!

Im Norden von Kouvola beginnt die finnische Seenplatte, der wahrscheinlich stereotypischste Teil des Landes mit mehr als 180.000 Seen. Die moor- und waldreiche Seenplatte ist mit weit über 100.000 km² Fläche die größte Seenplatte Europas. In dieser Gegend lohnt es sich wirklich, einige der zahlreichen Nebenstraßen zu erkunden, die vom TET abweichen. Kleine Buchten, Strände und andere versteckte Orte am Wasser warten darauf, entdeckt zu werden. Nach den ersten 260 km durch die einzigartige Landschaft Finnlands machten wir Halt in Tommolansalmi und schlugen dort am Campingplatz das erste Mal unser Zelt auf. Bereits jetzt merkten wir, dass die Tage hier länger dauern (als bei uns in Österreich). Wie bei den letzten Reisen hatten wir schnell die Aufgaben verteilt und so  war unser Schlafplatz in ein paar Minuten war fertig. Diese alltägliche „Reiseroutine“ haben wir beide schon sehr vermisst: Zelt aufbauen, umziehen und bei einem selbstgekochten Essen die Landschaft gemütlich im Campingsessel genießen.

Bei blauem Himmel und Sonnenschein bretterten wir über die unterschiedlichsten Schotterstraßen durch die Wälder von Finnland. Diese Wege dürften nicht all zu oft befahren werden. Sprachlos über die unberührte Natur des Landes trafen wir nach 350 km über Nurmes in Vuokatti ein. Rasch fanden wir einen traumhaften Campingplatz am See – mit Bademöglichkeit! Obwohl es noch einige Kilometer bis zum Polarkreis waren, ging die Sonne nicht mehr unter. So genossen wir am Steg noch bis 23 Uhr die Sonne, bevor sie sich hinter einem Hügel versteckte.

Die nächste Etappe starteten wir entlang der russischen Grenze. Zahlreiche Museen und altes Kriegsmaterial erinnern an die Kämpfe vor mehr als 80 Jahren. Rund um die Stadt    Suomussalmi kam es im Zweiten Weltkrieg zu dem Versuch, der Sowjetunion die Verkehrsverbindung von Finnland nach Schweden abzuschneiden. Mit leicht mulmigem Gefühl starteten wir auf den Track, der gleich durchs Gelände und wunderschöne Wälder führte,  vorbei an den Wintersportorten Kuusamo und Rovaniemi. Jetzt waren wir in Lappland angekommen. Das Land der Rentiere und der Mitternachtssonne. Das Klima in Lappland ist sehr extrem: am gleichen Ort kann die Temperatur im Lauf des Jahres durchaus zwischen plus 30 und minus 30 Grad Celsius betragen.

Weiter im Norden ist es sehr wichtig, immer ein Auge auf der Tankanzeige zu haben, da die Entfernung zwischen den Tankstellen immer größer wird. Im Ort Salla ist es ganz besonders wichtig vollzutanken und Vorräte aufzufüllen, denn die nächste Etappe hat es wirklich in sich. Mehr als 300km ohne garantierten Zugang zu Benzin.

Nach vielen Kilometern, etlichen Fotostops und Pausen, beschlossen wir, eine am Navigationssystem eingezeichnete Abkürzung zu nehmen. Zuerst schien noch alles unseren Erwartungen zu entsprechen, doch leider hatte der Spaß bald ein Ende. Sand, Schlamm, Lacken und nicht befahrbare Feldwege zwangen uns zum Umdrehen. 45 km Offroad wieder zurück!! Schweißgebadet und nervlich am Ende, aber Gott sei Dank wohlbehalten, erreichten wir nach einer guten Stunde endlich wieder eine asphaltierte Straße. In diesem Moment gab es nichts Schöneres auf dieser Welt. 

Erschöpft und völlig am Ende unserer Kräfte  kamen wir endlich in Levi an. Levi ist das größte und bekannteste Wintersportzentrum Finnlands und wurde schon viermal zum besten finnischen Skigebiet gewählt. Der Berg “Levi” ist gerade einmal 531 Meter hoch, eignet sich aber sowohl im Sommer als auch im Winter als perfektes Ausflugsziel. Da es nun mal Zeit war, einen motorradfreien Tag einzulegen, tauschten wir die Motorradstiefel gegen unsere Wanderschuhe und erkundeten zu Fuß die Umgebung rund um Levi. Zwei Jahre zuvor waren wir hier bereits mit unseren Schiern über die Pisten gewedelt. Der Unterschied zwischen Winter und Sommer ist unglaublich und nur schwer in Worte zu fassen.

Im Winter ist die Sonne hier seltener und wenn dann nur sehr kurz zu sehen und im Sommer ist es genau umgekehrt. So beschlossen wir gegen 23 Uhr noch auf den Berg zu fahren und die Mitternachtssonne zu genießen. Das war die absolut BESTE Idee, denn die Aussicht war atemberaubend schön.

Rund um den Polarkreis und weiter Richtung Norden sahen wir unzählige Rentiere und viele Schilder, die auch auf Elche hinwiesen. Oft haben wir uns aber trotzdem dabei „erwischt“, wie wir die Weite der Landschaft bestaunten und viel zu wenig Aufmerksamkeit auf die Straße legten. Aber größte Vorsicht ist geboten und das vor allem im Sommer – denn wo ein Rentier ist, da sind meist mehrere. Marko, den wir in Levi kennenlernten, erzählte uns, dass aufgrund der vielen Mücken durch die extreme Hitze die geplagten Tiere den Wald verlassen und Schutz entlang der Straßen suchen. Vor allem in Tunnel sollten wir besonders aufmerksam sein, da hier viele Rentiere den Schutz vor der Sonne suchen.

Über kleine Schotterstraßen 956 führte uns der Trail nach Hetta und von dort aus über die 93 zur norwegischen Grenze – wir haben den Trans Euro Trail Finnland erfolgreich beendet!! Einerseits waren wir glücklich, es geschafft zu haben, andererseits waren wir ein wenig traurig, weil wir wussten, dass das von uns so liebgewonnene Offroadfahren nun ein Ende hat. Ab jetzt wird es hauptsächlich auf asphaltierten Straßen weitergehen. Eines war jedoch klar und stimmte uns froh: das Nordkap ist nah. Entlang der E45 veränderte sich die Landschaft rasch und wir fanden uns auf einer perfekt ausgebauten Straße wieder. Vorbei an kleineren Seen und unzähligen Flüssen schlängelt sich die Straße durch die hügelige Landschaft bis hin zur Küste und der Stadt Alta. Von hier aus sind es noch 240 km bis ans Nordkap. Zu Beginn ist die Landschaft öde und die Straße schnurgerade so weit das Auge reicht. Aber ab Olderfjord, auf der E69, hat man die restlichen 128 km eine super Aussicht entlang der Küste.

Endlich – wir waren unserem lang gehegten Wunsch ganz nahe!! Um die Mittagszeit erreichten wir unser Ziel: das Nordkap! Unsere Stimmung war ganz besonders, so lange träumten wir davon, diesen einzigartigen Punkt in Europa mit dem Motorrad zu erreichen und nun war es endlich so weit. Die Landschaft ist hügelig und links und rechts der gut ausgebauten Straße sieht man unzählige Rentiere. Entlang der Strecke sind immer wieder Parkplätze und Aussichtspunkte, von denen man eine Wanderung starten kann. Beim Schranken angekommen, kauften wir zwei Tagestickets um je 27€, somit hatten wir jetzt 24 Stunden Zutritt zu den verschiedenen Angeboten im Nordkap Areal: Souveniershop, Kino, Kapelle, Museum und ein Restaurant. Der Parkplatz war nur zur Hälfte gefüllt und so konnten wir in Ruhe die tolle Stimmung genießen. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Ein wirklich ganz besonderer Moment für uns beide. Nur eine Viertelstunde entfernt stellten wir unser Zelt am nördlichsten Campingplatz der Welt auf: Kirkeporten Camping. Für uns der perfekte Ausgangspunkt für unsere für die nächsten zwei Tage geplanten Touren.

Ein absoluter Höhepunkt unserer Reise war die Wanderung zur Landspitze Knivskjelodden, die etwa 1,5 Kilometer nördlicher als das Nordkap liegt. Die Wanderung zu diesem Punkt ist zwar mit 19 km recht weit, aber nicht schwierig oder gefährlich.

Die Aussicht bei gutem Wetter auf das 307 Meter hohe Nordkap-Plateau ist atemberaubend. Was natürlich nicht fehlen durfte war ein Foto mit unseren Motorrädern vor dem Wahrzeichen des Nordkaps, dem Globus. Das Problem war, dass, solange der Schranken und das Gebäude besetzt sind, es nicht erlaubt ist, bis zur Kugel vorzufahren. Erst ab 01:00 Uhr bis ca. 06:00 Uhr hat man die Möglichkeit, sein persönliches Erinnungsfoto zu machen. Diese Chance nutzten wir natürlich und so gelangen uns als krönender Abschluss unseres Abenteuers „Nordkap“ auch noch tolle Erinnerungsfotos.

Am folgenden Morgen verwandelten die Sonnenstrahlen unser Zelt bereits um 6 Uhr in der Früh in eine Sauna und daher packten wir rasch unsere Sachen und machten uns auf den Weg gegen Süden. Mittlerweile waren wir wieder super aufeinander eingespielt. Nur wenige Minuten bis beide Motorräder abreisebereit waren. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verabschiedeten wir uns vom Nordkap und beschlossen, an diesem Tag bis Tromsö zu fahren. Die Straßen waren so gut wie leer und nicht nur die Rentiere genossen noch die kühle Luft entlang der Küste, als Martin plötzlich durch sein Kommunikationssystem brüllte: “Verena! Wale!!” Was für ein Schauspiel: etwa 100 Meter vor der Küste zog eine Herde Grindwale seine Kreise. Das Wasser war spiegelglatt und wir konnten sie mehrere Minuten ungestört beobachten, bis sie in aller Ruhe davonzogen.

Kurz vor Tromsö nutzten wir die erste eher kleinere Fähre während unserer Reise. Dies war für uns auch ein neues Erlebnis. Besonders die Waffeln, die es vor fast jeder Fähre zu kaufen gibt, haben uns sehr begeisert und gehörten dann schnell zum täglichen Ritual. Wir beobachteten das Anlageprozedere mit lauten Motoren und waren sehr verblüfft, wie flink das geht. Schnell und einfach mit der Kreditkarte bezahlt, rasch vom hilfsbereiten Personal einen Stellplatz zugewiesen, gingen wir an Deck und genossen die frische Brise. Wir fühlten uns eher wie auf einer Fähre nach Griechenland oder Italien. Während wir eine Gruppe Jugendlicher, die mit Badehose und Flip-Flops bekleidet den Sommer genossen, beobachteten, schmolzen wir ins unseren dicken Motorradgewändern fast dahin.

Entlang der E8 und E10 kamen wir schließlich zu den Lofoten. Diese Inselgruppe besteht aus ca. 80 Inseln, wobei die größten von ihnen mit Brücken oder Tunnel miteinander verbunden sind. Der Kontrast zwischen Bergen mit über 1200 Metern und dem Meer ist etwas ganz Besonderes. Charmante Fischerhütten und die geschwungenen Straßen zaubern einem ein Lächeln unter dem Helm. Vorbei an Evenskjer, Svolvaer und Heeningsvaer schlugen wir am Ende unserer heutigen Etappe unser Zelt in Moskenes auf. Direkt am Fährhafen gibt es einen gemütlichen Campingplatz.

Man könnte alleine zwei Wochen auf den Inseln verbringen, da hinter jeder Kurve ein neues Postkartenmotiv auf einen wartet. Von Freunden bekamen wir den Tipp, eine Wanderung auf dem Reinebringen zu unternehmen. Die Aussicht vom 442 Meter hohen Hausberg des Örtchens Reine  zählt du den schönsten der Lofoten. Der Weg führt teilweise sehr steil über Geröll, moorigen, erdigen, teilweise schlammigen oder mit Wurzeln überwucherten Untergrund, sowie auch an vielen Felskanten vorbei. Aus diesem Grund sollte man die Tour nur bei trockenem Wetter unternehmen. Der letzte Anstieg vor der Aussichtsplattform war recht anstrengend und wir waren, oben angekommen, ganz schön außer Atem,  aber die Aussicht die sich uns jetzt bot, war überwältigend!

Lautes Schreien der Möwen weckte uns am Tag der Abreise von den Lofoten. Als wir das Zelt öffneten konnten wir erkennen, wie ein Fischerboot gerade in den Hafen zurückkehrte und jede Menge Möwen im Schlepptau hatte. Pünktlich um 8 Uhr legte unsere Fähre ab und wir genossen die nächsten vier Stunden die Aussicht vom Schiff. In Bodo angekommen, freuten wir uns schon sehr auf die nächste Etappe, denn als wir in Hamburg Altona die Motorräder abluden, lernten wir Loke mit seiner Honda CBR 125 kennen und er gab uns den Tipp, nicht auf der E6 zu fahren, sondern die kleinere FV17 nach Steinkjer zu nehmen. Die Strecke war zwar länger, aber die wunderbare Aussicht entlang dieser Route überzeugte uns rasch, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die Straße führt durch die Landschaften Namdalen, Helgeland und Salten. Zahlreiche Tunnel und sechs Fähren werden benötigt, um die 650 km zu überwinden und der Polarkreis wird dabei auf der Fähre Kilboghamn-Jektvik überquert.

Die letzten Kilometer auf der E6 vor Trondheim gestalteten sich als sehr mühsam und wir waren froh,  durch den Stadtverkehr endlich den Campingplatz zu erreichen. Da wir bereits am frühen Nachmittag ankamen beschlossen wir, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Der Kanalhafen grenzt die Innenstadthalbinsel in Richtung Norden ab. Er wurde Mitte des 19. Jahrhunderts im Rahmen eines neuen Hafenplans für die Stadt geschaffen. An der Südseite des “Kanalhavna” findet man eine Reihe der für Trondheim typischen Lagerhäuser, die direkt am Wasser liegen. Im Zentrum der Innenstadt liegt der Marktplatz, auf dem  ein riesiges Streetfood Festival stattfand. Da die Strecke an der FV17 wieder sehr dünn besiedelt war und wir die letzten Tage kaum Leute getroffen hatten, genossen wir das bunte Treiben und noch mehr die hier angebotenen Delikatessen aus ganz Norwegen und Skandinavien.  

Genau 8274 Meter misst die wohl bekannteste Straße Norwegens, die Atlanterhavsvegen. Auch diese durfte auf unserer Reise nicht fehlen. Durch ihren Verlauf mit acht Brücken über mehrere kleine Inseln ist die zu den norwegischen Landschaftsrouten zählende Straße eine Touristenattraktion. Ganz besonders berühmt ist die Storseisundbrua. Durch Ihre außergewöhnliche, geschwungene Form ist sie bei Touristen vor allem als Fotomotiv sehr beliebt. Mit einer Länge von 260 Metern  und  einer Höhe von 23 Metern ist sie die größte Brücke der in den 1980er Jahren gebauten Atlantikstraße und zugleich ihr Wahrzeichen.

Die Trollstigen war noch im Nebel getaucht, als wir uns von Andalsnes aus näherten. Die im Jahr 1936 eröffnete Straße zeigte sich jedoch rasch von ihrer schönsten Seite. Sie ist auch heute noch nur wenige Meter breit, manchmal fast einspurig, so dass man entgegenkommenden Fahrzeugen ausweichen muss. Wegen des schroffen Geländes gibt es kaum Möglichkeiten anzuhalten. Da wir bereits sehr früh dort waren, ließen wir es uns nicht nehmen, blieben einfach direkt auf der Straße stehen, und konnten so ein paar sehr eindrucksvolle Fotos machen. Auch ein Besuch des Besucherzentrums „Trollstigen Fjellstue“ ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Von dort kann man in Ruhe die Aussichtspunkte rund um den Parkplatz genießen.

Wir folgten nun der Straße 63 Richtung Süden. Vorbei am Talfjord öffnete sich nach wenigen Kilometern ein atemberaubendes Panorama auf den Geiranger Fjord. Er zählt zu den schönsten Fjorden Norwegens und ist teil des UNESCO Weltkulturerbes. Seine einzigartigen Naturvielfalt und die beeindruckenden Symbiose von Meer und Hochgebirge machen ihn zu etwas ganz Besonderem. Wir hatten Glück und konnten eines der  riesigen Kreuzfahrtschiffe beim Anlegen beobachten – das Anlagemanöver eines so gigantischen Schiffes aus der Nähe zu verfolgen ist schon sehr beeindruckend.  Mit den Touristenmassen im Ort nur wenige Minuten später haben wir aber nicht gerechnet und so beschlossen wir gleich bis zum Berggipfel des Dalsnibba auf 1476 Meter weiterzufahren. Die Fahrt dort hin gestaltete sich durch die vielen Touristenbusse äußerst mühsam und kurzzeitig überlegten wir tatsächlich, umzukehren. Die Aussicht vom Gipfel entschädigte uns aber für die beschwerliche Anreise, denn von hier oben hat man einen grandiosen Ausblick in den ca. 7 Kilometer entfernten Geirangerfjord.

Nun ging es weiter entlang des Otta Flusses, wo wir immer wieder von der Hauptstraße 15 ab- und  auf den kleinen Nebenstraßen Fv485 und Fv483 -fuhren. Bei Fossbergom ging es dann auf der 55 weiter nach Süden, denn unser nächstes Ziel war die Trolltunga.

Der horizontale Felsvorsprung ist ein sehr beliebtes Fotomotiv für Touristen und das wollten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Leider sah der Wetterbericht für die nächsten Tage aber nicht gut aus und da die 28 km lange Strecke teilweise sehr anspruchsvoll ist, beschlossen wir weiterzufahren. Doch das nächste Highlight ließ nicht lange auf sich warten: der längsten Straßentunnel der Welt! Der Lærdalstunnel verbindet mit seinen 24,51 km Aurland und Lærdalsøyri. Der Bau dauerte 5 Jahre und er ist für Motorradfahrer kostenlos zu befahren. Besonderheiten an diesem Tunnel sind die innovative Art der Beleuchtung sowie die absichtlich leicht kurvige Streckenführung, beides soll die Fahrer vor Ermüdung schützen und die Konzentration fördern.

Wir entschieden uns, das gute Wetter im Süden auszunutzen und fuhren weiter bis nach Jørpeland. Der Ort ist der Ausgangspunkt für viele Touristen, die den Preikestolen besuchen wollen. So schlugen wir auf dem nur wenige Kilometer entfernten Campingplatz unser Zelt auf und bereits um 03:00 Uhr läutete unser Wecker. Müde krochen wir in unsere Wanderkleidung und raus aus dem Zelt. Vom menschenleeren Parkplatz aus nahmen wir in der Morgendämmerung den Aufstieg in Angriff. Der vier Kilometer lange Weg ist sehr gut ausgebaut und führt zuerst steil einen Höhenrücken hinauf und dann fast eben über Bohlenpfade durch morastigen Wald. Wir erreichten nach knapp einer Stunde die ungesicherte Plattform des Predigtstuhls. Nur wenige Menschen, auch die, die hier oben übernachtet hatten, genossen die fast unheimliche Stille und erwarteten den Sonnenaufgang. Eine geradezu meditative Stimmung machte diesen Moment der ersten Sonnenstrahlen zu etwas ganz Besonderem. Der Ausblick in den sonnen durchfluteten Lysefjord ist wunderschön und gehört zu einem der Highlights unserer Reise. Als wir uns auf den Heimweg machten,  zeigte sich die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit Norwegens von einer ganz anderen Seite. Massen an Touristen kämpften sich über den Wanderweg auf den Gipfel. Jetzt wussten wir,  dass die Bilder von Touristenmassen keinerlei Übertreibung sind und waren sehr froh, dass wir schon zu nachtschlafener Stunde aufgebrochen sind.  

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in Oslo, der Hauptstadt Norwegens. Eigentlich wollten wir uns anfangs als Belohnung für unsere „Strapazen“ ein Hotelzimmer nehmen, doch dann konnten wir dem Charme des Ekeberg Campingplatz nicht widerstehen. Die Lage dieses Campingplatzes ist einzigartig, hat man doch von diesem aus einen traumhaften Ausblick auf ganz Oslo. So schlugen wir hier für die noch verbleibende Zeit  unserer Reise unser Zelt auf und bei tollem Wetter nutzten wir die letzten Tage unserer Reise für ausgedehntes Sightseeing. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten, wie die Oper, die Skisprungschanze Holmenkollbakken und das Schimuseum, verleihen der Stadt ein ganz besonderes Flair. Die Sprungschanze steht auf einem Hang des Berges Holmenkollen und gilt als älteste Sprungschanze der Welt. Bei gutem Wetter bietet sie auch eine ausgezeichnete Sicht über die Hauptstadt. Oslo wird uns als moderne, fortschrittliche und lebendige Stadt in Erinnerung bleiben.

An unserem Abreisetag war es sonnig und warm und am Fährterminal der ColorLine war noch nicht viel Betrieb, als für uns beide der Schranken geöffnet wurde, wir auf die Fähre fuhren und unsere Mottorräder festzurrten. Die Möwen kreischten und mit dem Dröhnen der großen Dieselmotoren kam eine leicht wehmütige Stimmung in uns auf. Doch dann genossen wir die kühle Meeresbrise und ließen die vielen einzigartigen und wunderbaren Momente unserer Reise revue passieren.

Länderinfos

Finnland

Mit etwa 5,5 Millionen Einwohnern auf einer Fläche fast so groß wie Deutschland gehört Finnland zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Der Großteil der Bevölkerung lebt im Süden des Landes mit der Hauptstadt Helsinki. Das hervorstechendste Merkmal der Landschaft Finnlands ist ihr Seenreichtum, der dem Land auch den Beinamen Land der tausend Seen eingebracht hat. Das finnische Klima ist kaltgemäßigt. Andererseits schirmt das Skandinavische Gebirge Finnland vom Atlantik ab, sodass stabile kontinentale Hochdruckzonen für kalte Winter und vergleichsweise heiße Sommer sorgen.

Ein Viertel der Landesfläche liegt nördlich des Polarkreises. Große klimatische Unterschiede zwischen Nord- und Südfinnland mit extrem kurzem Frühling und Herbst und langen Wintern (von Oktober bis April) mit sehr tiefen Temperaturen von Dezember bis Februar.

Norwegen

Norwegen liegt auf der Skandinavischen Halbinsel und grenzt im Osten an Schweden und im Nordosten an Finnland und Russland. Es ist eines der flächengrößten Länder Europas, aber 2018 mit nur 5,3 Millionen Einwohnern dünn besiedelt. Ein Großteil der Bevölkerung konzentriert sich auf den Süden des Landes mit dem Ballungsraum der Hauptstadt Oslo. Die etwa 25.000 km lange Atlantikküste (mit den Küsten aller Inseln über 80.000 km) besteht aus vielen schmalen und tiefen Buchten, den Fjorden, mit denen das salzige Meer vielerorts weit ins Land reicht.

Die eindrucksvolle Natur lockt jedes Jahr Touristen nach Norwegen. Das Nordkap und der Geirangerfjord gehören zu den meistbesuchten Touristenattraktionen des Landes.

Es gibt zwei Klimazonen; im Süden ist das Wetter gemäßigter als im Norden. Trotz nördlicher Lage ist das Klima an der Küste infolge des Golfstroms verhältnismäßig mild. Die Winterperiode ist lang, mit einer über mehrere Wochen anhaltenden strengen Kälteperiode und langer Dunkelheit. Im Inneren des Landes herrscht kontinentales Klima.

Reiseroute

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