Balkan

Reisebericht

„Als Hochzeitsreise mit dem Motorrad von Wien nach Istanbul?“ „Ihr seid verrückt!!"

Genau so fielen die meisten Kommentare unserer Freunde, Familien und Kollegen aus. Doch wir ließen uns nach unserer Hochzeit im Juni nicht davon abbringen und so machten wir uns Anfang Juli auf den Weg durch halb Europa. Das Offroadabenteuer in Transsilvanien, der Pauschalurlaub am Schwarzen Meer und das Verkehrschaos in Istanbul waren nur ein paar Abenteuer, die uns in den nächsten vier Wochen noch bevorstanden. Wir hatten mit jeder Menge neuen Gegebenheiten zu kämpfen und lernten neue Seiten an uns kennen und wollen euch nun gerne an unserer Reise teilhaben lassen.
Ein Abenteuer von Verena & Martin, gemeinsam mit unserem Freund Mario und unseren beiden „Travelbuddies“ Anna & Andreas.

Wir stiegen in Wien auf unsere Motorräder und Verena fragte: „Haben wir alles?“, fragte Verena durch das Kommunikationssystem. „Ich denke schon!“, antwortete Martin. So starteten wir die Motoren und los ging unser Abenteuer nach Istanbul. Diese war nach unseren Reisen nach Schottland und ans Nordkap unsere dritte große Reise in den Sommermonaten Juli und August. Dieses Mal aber nicht zu zweit, sondern in einer kleinen Gruppe mit Anna, Mario und Andreas.

Autópálya

Mit diesem Begriff ließ sich der erste Tag mit einem Wort zusammenfassen: Autobahn. Da wir im Kopf und voller Vorfreude bereits in Transsilvanien auf geschotterten Bergstraßen unterwegs waren, wollten wir uns zwei Tage Ungarn auf kleinen Straßen ersparen und wählten die schnellste Route bis an die rumänische Grenze.

Schnell ließen wir Österreich schnell hinter uns und fuhren auf der E1 an Budapest vorbei, entlang der ungarischen Tiefebene an der M3. Obwohl die Fahrt wegen des wenigen Verkehrs sehr angenehm war, waren froh als wir die Autobahn verlassen und das letzte Stück auf kleinen Landstraßen fahren zu können. Die Fahrt durch die Wälder und entlang kleiner Flüsse war genau das, was wir nach der monotonen Autobahnetappe brauchten. Wie von selbst änderte sich die Reisegeschwindigkeit und wir fanden den Fahrspaß wieder. Bei Debrecen erreichten wir am Nachmittag die Grenze zu Rumänien. Die drei jungen Grenzbeamten konnten sich das Grinsen nur schwer verkneifen als Verena bei der Passkontrolle den Helm abnahm. Wahrscheinlich haben sie auf so einem vollgepackten Motorrad nicht mit einer Frau gerechnet. Hinter dem Grenzgebäude stellten wir die Motorräder am Straßenrand ab, machten erstmal eine Pause. Da bekamen wir auch schon Besuch von einem Straßenhund. Wie uns in den kommenden Tagen noch öfter auffallen wird hat Rumänien ein hat ein großes Problem mit Straßenhunde. Die Tierheime sind überfüllt und so landen die Tiere oft auf der Straße, sehr viele von ihnen sind krank und unterernährt. Unser heutiges Tagesziel war die Stadt Satu Mare, ein paar Kilometer weiter nördlich von der Grenze. Als wir endlich die Motorräder bei unserer Unterkunft abstellten, zeigte der Tageskilometerzähler knappe 1.000 km, und um ehrlich zu sein, so fühlten wir uns auch. Erschöpft ließen wir den Abend in einem kleinen Hotel ausklingen.

ACT Rumänien

Unser Ziel für die nächsten Tage war es den A.C.T. Rumänien zu fahren. Dabei handelt es sich um eine „Adventure Country Track“, das sind Offroadrouten und Tracks, die erhalten und öffentlich zur Verfügung gestellt werden. In Zusammenarbeit mit verschiedensten Institutionen soll der Tourismus und die Nachhaltigkeit der Regionen gefördert werden. Mit einer Länge von 1370 km und einer empfohlenen Dauer von fünf Tagen machten wir uns also auf den Weg Richtung Bârsana, wo der Track startet. Am Weg dorthin sollte man unbedingt das Handy in den Flugmodus schalten, da sonst aufgrund der Nähe zur Ukraine eine hohe Handyrechnung drohen kann. Mario hat dies leider am eigenen Leib spüren müssen.

Am südöstlichen Ortsrand von Bârsana befindet sich ein rumänisch-orthodoxes Nonnenkloster, wahrlich ein imposanter Startpunkt für unser Abenteuer für die nächsten Tage.  „Wie viel Luft habt ihr hinten?“, fragte Martin in die Gruppe. „Das ist eine gute Frage!“, bekam er als Antwort zurück. Daran konnte man erkennen, dass wir bestimmt keine Vollprofis waren, was unsere Offroadkenntnisse betrifft. Jeder einzelne von uns hatte in der Vergangenheit zwar schon einiges an Erfahrungen gesammelt, aber wir waren froh als Gruppe unterwegs zu sein.

Bei der Stadt Borsa verließen wir voller Euphorie die befestigten Straßen und kämpften uns bergauf durch die erste Schlagloch-Etappe. „Wie geht’s da oben weiter?“, fragte Verena. Die große Freude wich extremer Anspannung, sehr schnell als ein steiler und besonders schmaler, gesäumt von großen Geröll, Weg auf den Berg hinauf führte. Verena verlor das Gleichgewicht und legte ihr Motorrad gegen die großen Steine am Wegrand. Sofort lagen vor Schreck Nerven plank, und vielleicht auch, weil ihre neuen Koffer wie nach einer 2-jährigen Weltreise aussahen. Nach längerem Hin und Her schafften wir es aber alle bis auf den Gipfel. Dank unseren Erfahrensten, Andreas, der uns Mut zusprach, kamen alle heil oben an. Jetzt war uns auch klar, warum bei der Trailbeschreibung „Fortgeschritten“ beim Schwierigkeitsgrad angeführt ist. „Geht das die nächsten Tage so weiter?“ fragten wir uns und besprachen das weitere Vorgehen.

Der Track führte uns entlang der Hochebene weiter und schnell fanden wir unseren Fahrspaß wieder. Riesengroße Lacken, Kühe und eine atemberaubende Aussicht begleiteten uns für die nächsten Stunden. Weit weg von der Zivilisation hatten wir auch mit keinem Gegenverkehr zu rechnen. Die Zeit verging wie im Flug und bei einer kurzen Rast stellten wir fest, dass wir noch ein ganzes Stück vor uns hatten. Zwar starteten wir voll motiviert in eine letzte Waldpassage, die uns einen Hügel hinauf führte, doch kurze Zeit später fragten uns, schon ob wir noch am Track waren, da die Strecke immer anspruchsvoller wurde. Kuhzäune auf- und zuschiebend blickten wir uns verunsichert an und überlegten, ob wir nicht umkehren sollten. Plötzlich dann das Aus. Ein schmaler, völlig ausgewaschener Weg führte steil einen Hügel hinab. Links und rechts kein Vorbeikommen und Umkehren war auch nicht mehr möglich. „Wie kann das denn passieren?“ Uns blieb nichts anderes übrig, als die Motorräder eins nach dem anderen nach unten zu schieben. Schweißgebadet und körperlich und nervlich am Ende, hatten wir es nach knapp zwei Stunden geschafft, alle vier Motorräder und uns heil nach unten zu bringen. Endlich angekommen sah der junge Mann bei unserer Pension die Strapazen der letzten Stunden in unseren Gesichtern und frage uns, warum man sich so etwas antut. Das konnten wir ihm in diesem Moment auch nicht erklären – Was für ein Tag!

Runter vom Gas

Da wir das Tempo die nächsten Tage, aufgrund der Anstrengungen, nicht durchhalten konnten, beschlossen wir, uns mehr Zeit für die restlichen Etappen zu nehmen. Am Ende des Tracks des ersten Tages kamen wir in Vatra Dornei an. Dort fanden wir einen Campingplatz, wo wir unser Camp aufschlugen und uns gemütlich machten. Wir erholten uns von den Strapazen des ersten Tages und planten gemeinsam in Ruhe die nächsten Tage. Vatra Dornei liegt auf ca. 800m und so wurde es in der Nacht relativ kühl. Andreas war darauf leider nicht ganz vorbereitet und so musste er alles anziehen, was er mitführte, um nicht zu frieren.

Die Etappe des zweiten Tages führte uns vorerst entlang von Flüssen tief in die Wälder von Transsilvanien. Leichte, vergnüglich zu fahrende Schotterstraßen wechselten sich nun, je nach Witterung, mit zur Rutschpartie werdenden schlammigen Wegen ab. Nachdem wir beschlossen hatten das Tempo rauszunehmen konnten wir die Zeit endlich für mehrere Fotostopps entlang des Tracks nutzen. Weiden- und Laubwälder dominieren das Landschaftsbild Siebenbürgen, dieser Teil Rumäniens weißt eine große biologische Vielfalt auf.

Nach etwa 240km endet unsere zweite Etappe auf dem ACT Rumäniens in Sighișoara. Wir haben uns ein Airbnb gebucht und waren bei der Ankunft angenehm überrascht, wie schön und gepflegt das Appartement war. Die größte Überraschung war, als wir uns in das W-Lan einloggten. Fast 100mBit Upload!! Das hatten wir noch auf keiner unserer Reisen und sehr zur Freude der ganzen Gruppe konnten wir so unverhofft unsere Fotos und Videos der ersten Tage sichern. Die Stadt Sighișoara wurde im 12. Jahrhundert von deutschen Einwanderern gegründet. Die unter UNESCO-Weltkulturerbe stehende Altstadt und die Verbindung zu Dracula macht sie für Touristen sehr interessant.

Fährmann mit Badeschlapfen

Am nächsten Morgen verließen wir Sighișoara und fuhren durch den Nordwesten von Siebenbürgen. Ziel des Tages war Mărișel und die Apuseni-Berge. Das Apuseni-Gebirge ist eine Gebirgsformation im Westen Rumäniens und erreicht Gipfelhöhen von 1100 m bis 1800 m. Es bildet den nördlichen Abschnitt der westrumänischen Karpaten und da das Gebirge überwiegend aus Kalkstein besteht, findet man eine Vielzahl von Höhlen und Schluchten.

Am längsten Tag des Tracks kam in uns so richtig Off-Road Feeling auf. Durch das höhere Tempo und die trockenen Schotterstraßen zogen wir lange Staubwolken hinter uns her und staubten uns gegenseitig so richtig ein. Mit einem breiten Grinsen unter dem Helm vermisste keiner von uns die Wasserlacken der Tage zuvor.

Vorbei an sich ständig verändernden Landschaften fanden wir uns auf kleinen Hügeln Kreuz und quer über Wiesen fahrend wieder. Hier war es schwer überhaupt den Weg zu erkennen. Pünktlich zur hochstehenden Mittagssonne endete der Track bei einem Fluss und uns stand ein absolutes Highlight bevor: die Fährüberfahrt bei Olt. Zuerst handelten mit dem Fährmann, der uns dann auch half die Motorräder zu verladen, einen fairen Preis aus. Wer jetzt an eine Fähre in Norwegen oder Italien denkt, liegt hier ganz falsch. Nur eine mit Holzbrettern ausgelegte Stahlkonstruktion, die an einem von einem zum anderen Ufer gespannten Stahlseil befestigt war, trennte unsere Motorräder vom Wasser. Dabei fiel uns zwar belustigt aber auch besorgt auf, dass der Fährmann nur Badeschlapfen trug aber trotzdem auf den Stahlseilen herumturnte. Die Überfahrt dauert zwar nur ein paar Minuten, aber das „Indianer Jones Abenteuer“ sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Am „rettenden“ Ufer angekommen, führte uns der zweite Teil des Tages auf eine steinige Bergstraße, die einem Wanderweg glich. Plötzlich trafen wir immer wieder auf Wanderer und Autos. Oben angekommen trauten wir unseren Augen nicht. Wir standen mitten auf einem Volksfest in den Bergen. Hunderte Menschen feierten inmitten einer atemberaubenden Berglandschaft, und mit Live-Musik, gekühlten Getränke und leckerem Essen wurden wir von den Einheimischen willkommen geheißen. Laut Mario waren das die besten Krautrouladen die er je gegessen hat. Wir beobachteten das Spektakel und genossen das bunte Treiben. Das letzte Drittel der heutigen Etappe erinnerte uns an Bilder aus Kanada, breite Straßen mit gelben Markierungen und Nadelwälder soweit das Auge reicht.

Überwältigt von den Eindrücken des Tages galt es trotzdem aufmerksam zu bleiben, da sehr viele Kühe entlang der Straße, unterwegs waren. Kurz vor unserer Unterkunft öffnet sich der Wald und wir hatten einen großartigen Ausblick auf den Stausee von Beliș. Der Staudamm, 92 Meter hoch und 400 Meter lang, wurde 1978 fertiggestellt. Bei niedrigem Wasserstand sind Reste der ehemaligen Siedlung und der Kirche zu sehen.

Wie im Märchen

Nach einer regnerischen Nacht erwartete uns am nächsten Morgen ein kühleres Klima. Wir frühstückten beim nebelüberzogenen Stausee und starteten in den vorletzten Tag des Adventure Country Tracks. Am Vormittag führte uns der Track durch die Wälder über kleine Forststraßen, wo wir auch immer wieder Waldarbeiter antreffen, die sehr freundlich waren und sogar Platz machten, damit wir mit unseren Motorrädern gefahrenlos vorbeikamen. Im Großen und Ganzen war der Tag einfacher als die letzten und wir nutzen die Zeit wieder für einige Film- und Fotoaufnahmen. Bei unseren Stopps werden wir immer wieder mit tollen Ausblicken belohnt. Weiter über gut ausgebaute Straßen treffen wir in Sugag ein und beziehen am Fuße der Transalpina ein Zimmer im Hotel „Transalpina“. Wie so oft wurden wir  herzlichst empfangen und „mussten“ natürlich den Selbstgebrannten des Hausherrn verkosten.

Ein kühler, nebeliger und stimmungsvoller Morgen wartete auf uns. Wir packten unsere Motorräder und machten uns abfahrbereit. Die Stimmung war eine besondere, es wurde nicht viel gesprochen, alle waren fokussiert und voller Vorfreude auf den heutigen Tag. Die asphaltierte Kurvenstraße schlängelt sich heute, durch die Nebelschwaden, den Berg hinauf, vorbei am Stausee von Oașa bewunderten wir die einzigartige Landschaft. Wir hatten Glück und so früh am Morgen nur wenig Verkehr. Die Drum național 67C erreicht auf der Passhöhe eine Höhe von 2145 m. Die moderne, auch unter der Bezeichnung Drumul Regal – „Königsstraße“ bekannte Straße wurde 1939 eröffnet und im Zweiten Weltkrieg aus strategischen Gründen ausgebaut. Ab 2009 wird sie wieder abschnittsweise asphaltiert und erneut in Betrieb genommen. Während der Fahrt begegneten uns immer wieder Esel auf der Fahrbahn. Bei einem der vielen Aussichtspunkten erlebten wir einen wahren „Eselhotspot“, und Verena konnte es nicht lassen und musste einige von ihnen unbedingt streicheln.

„Ene, mene, muh – und raus bist du!“

Wir setzten den Blinker, stellten die Motorräder ab, nahmen die Helme ab und hatten alle ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Wenige Kilometer zuvor führt der Track auf den Beginn der Strada Strategica, einer alten Militärpiste aus dem zweiten Weltkrieg. Die Schotterstraße bot ein unglaubliches Panorama. Manchmal sind auch kurze Strecken über Wiesen zu befahren, doch muss man aufpassen, da diese oft sehr rutschig sein können. Immer wieder trafen wir Hirten, die uns freundlich grüßen und ihre Hunde zurückpfeifen. Am höchsten Punkt der Strategica wurden wir wieder mit einem atemberaubenden Panorama belohnt bevor es für uns bergab ging. Wir kamen an dem Punkt der Route an, an dem sich die Stragegica teilt, in die „normalen“ und den „anspruchsvollen“ Strecke teilt. Nach längerem Überlegen entschieden Martin und Mario den leichten Teil zu fahren und Andreas und Verena für die schwierigere. Martin und Mario waren relativ rasch wieder auf befestigten Straßen unterwegs und erreichten schlussendlich den vereinbarten Treffpunkt an. Dann hieß es warten. Schön langsam wurden sie unruhig, die Minuten vergingen wie im Flug und noch immer kein Lebenszeichen von Verena & Andreas. Plötzlich kamen ein paar Nachrichten am Handy durch: Zuerst die Hiobsbotschaft. Andreas hatte im Wald einen Unfall! Dann Gott sei Dank die erlösende Nachricht. Alles ist glimpflicher ausgegangen als es vorerst erschien, und sie können den Weg fortsetzten. Verena klang bei den Sprachnachrichten schon sehr angespannt und recht erschöpft. Wieder verging eine Stunde ohne Zeichen von den Beiden. Dann endlich eine Nachricht von Verena:  „Sie kann nicht mehr und weiß nicht, wie sie runterkommen soll.“ In diesem Moment war uns klar, wir müssen etwas unternehmen. Martin beschloss, Verena und Andreas auf der anspruchsvollen Strecke entgegen zu fahren, aber bereits nach wenigen Metern war Schluss. Ein großer Baumstamm versperrte den Weg. Da gab es beim besten Willen kein Vorbeikommen. Plötzlich hörte er die beiden kommen. Vollgepumpt mit Adrenalin und mit den letzten Kräften, bewältigten sie sogar den Baumstamm, der ihnen den Weg versperrte. Fix und fertig kamen sie endlich bei unserem Treffpunk an. Das Motorrad von Verena hatte einen abgebrochenen Kupplungshebel und linken Rückspiegel. Andis Maschine hatte es noch schlimmer erwischt. Zum Glück waren beide Motorräder noch fahrtauglich, was hatten wir uns nur dabei gedacht und es war uns allen bewusst, dass wir nur sehr knapp einem jähen Ende unserer Reise entgingen.

Die Kräfte halbwegs wieder gesammelt, fuhren wir weiter, beschlossen aber, den letzten Teil des ACTs auf den nächsten Tag zu verschieben. Am Weg zum lang ersehnten Appartement schrie Verena plötzlich in das Kommunikationssystem: „Andiii!! KUH!!“ Andi war knapp vor  einer Hauseinfahrt, als ein Bauer plötzlich seine Kühe aus der Einfahrt trieb. Nur mit einem gekonnten Ausweichmanöver und jeder Menge Glück konnte er einen Sturz oder sogar einer Kollision mit der Kuh verhindern. Was für ein Tag!

„Achtung KUUUUHHH!!“

Sanft wurden wir von der Nachbarskatze geweckt und genossen die Morgenstimmung in den warmen Sonnenstrahlen. Noch ein wenig erschöpft vom Vortag hatten wir heute nur noch ein Ziel. Den Gipfel der Transfăgărășan. Noch schnell ein Frühstück holen und die Motorräder volltanken, bevor wir den Straßenschildern zur DN 7C folgten. Die Transfogarascher Hochstraße ist Teil der 151 Kilometer langen, in Süd-Nord-Richtung verlaufenden, Nationalstraße. Ein Drittel der Strecke verläuft auf der Nordseite des Fogarascher Gebirges und war für deren Bau auch der etwas schwierigere Streckenabschnitt. Da hier im Bâlea-Tal gelegentlich tiefhängende Wolken die Sicht behindern, wird die Transfogarascher Hochstraße auch als Straße in den Wolken bezeichnet. So war es zwar auch uns gegönnt, die Nordseite kurz wolkenlos zu sehen, doch rasch verschwand die oftmals auch als „Rennstrecke“ bezeichnete Route wieder in den Wolken.  Kurz vor dem Gipfel kommt man zum Lac Balea. Dieser Ort erinnerte uns eher an die Trollstigen in Norwegen als an die Karpaten in Rumänien, diese besondere Atmosphäre, denn mit den Wolken war eine ganz besondere. Wir erreichten das Ende des ACT Rumäniens, mit einem weinenden Auge blickten wir zurück auf das unglaubliche Abenteuer der letzten Tage und freuten uns mit einem lachenden Auge auf unsere weitere Tour quer durch den Balkan.

Schwarzes Meer wir kommen!

Nach fast einer Woche durch Rumänien über Stock und Stein waren wir froh, wieder für ein paar Tage Asphalt unter den Rädern zu haben. Vorbei an Bukarest, beschlossen wir so schnell wie möglich ans Schwarze Meer zu fahren, unser Ziel war Nessebar. Zuvor machten wir noch einen Stopp am Flughafen von Bukarest, wo wir Anna, die Freundin von Andreas, abholten. Sie begleitete uns als einzige Beifahrerin ab hier auf unserem Weg nach Istanbul. Über die Autobahn und Bundesstraßen führte uns der Weg nach Warna, einer Hafenstadt neben den Küstenresorts des „Goldstrandes“. Der Verkehr war ein reines Chaos und die Temperatur am Boardcomputer kletterte schnell auf knapp 40°C. Die Strecke entlang der Küste zu unserem Ziel ist stark befahren und für uns nur Mittel zum Zweck. Auf der E87 kamen wir schließlich nach fünf Stunden in Nessebar an. Dort bezogen wir für die nächsten beiden Tage ein Appartement, mit Frühstück und Meerblick! Die Zeit dort war eine Mischung aus Schlaf nachholen, ausgedehnten Strandspaziergängen am kilometerlangen Sandstrand und die Auszeit vom Motorrad genießen. Die Altstadt von Nessebar ist ein Freilichtmuseum und komplexes Denkmal der Städtebaukunst. Mit ihren bedeutenden Bauwerken und ihrer einmaligen Lage ist die Stadt in das UNESCO Welt-Kultur und Naturerbe aufgenommen. Nessebar ist durch ihre Geschichte, den nahe liegenden Sandstränden, ihrer einmaligen Lage eine überregional bekannte Stadt für Erholungs-, Bade-, und Kulturtourismus und zieht Besucher aus der ganzen Welt an.

Wir genossen das bunte Treiben der Touristenmassen in den schmalen, kopfsteingepflasterten Gassen und konnten über die Geschehnisse in Transsylvanien die Tage zuvor schon wieder lachen. Nach diesen zwei erholsamen Tagen am Strand und an der Cocktailbar hatten wir wieder genug vom Erholungsurlaub. Also bepackten wir unsere Motorräder und machten uns auf Richtung türkischer Grenze. Dort fanden wir im Vorfeld einen schönen, ruhigen Campingplatz abseits der Touristenmassen von Goldstrand & Co. Am Weg dorthin deckten wir uns vorher noch mit Vorräten ein. Heute standen köstliche Thunfisch-Spaghetti am Speiseplan. Unser absolutes Lieblingsessen wenn wir mit den Motorrädern auf Tour sind. Der Silistar Campingplatz auf der Straße 9901 liegt mitten in einem kleinen Waldstück und bietet genug Schutz von der Sonne. Nur wenige Minuten vom Strand entfernt ein idealer Zwischenstopp am Weg in die Türkei. An der gemütlichen Strandbar genossen wir zuerst einen malerischen Sonnenuntergang bevor wir den Gaskocher anwarfen und unser Lieblingsessen zubereiteten.

Sorry!! There´s a problem!

Relativ früh am Morgen kamen wir bei Malko Tarnowo, zur türkischen Grenze. Die bulgarische „Seite“ war schnell erledigt und so warteten wir am Schalter eines türkischen Zollbeamten auf die Zollformalitäten. Die Dokumente von Martin und Andreas waren bereits fertig und auch Mario bekam seine Dokumente rasch zurück. Also waren schon bereit zur Weiterfahrt: Doch zu früh gefreut. Nachdem Verena dem Zollbeamten ihre Grüne Versicherungskarte entgegenstreckte teilte uns dieser, in gebrochenem Englisch, mit, dass es ein Problem mit Verenas Dokumenten gäbe. Bei Verenas Versicherungskarte war die Türkei ausgenommen und somit hatte sie keinen Versicherungsschutz in der Türkei. Daraufhin forderte er von uns allen sämtliche Dokumente zurück und da fiel ihm auf, dass auch Mario keinen Versicherungsschutz für die Türkei hatte. Nerven lagen blank. Der Zollbeamte wieß uns darauf hin, dass die beiden erst eine Versicherung erwerben müssten, das aber gegenüber der Zollgebäude möglich war. Dort war ein kleines Häuschen, indem ein Mann mit einem Taschenrechner saß, der stellte Verena und Mario dann zwar eine Versicherung für die restliche Reise aus, aber dafür satte 90€ pro Person verlangte. Aber wir waren erleichtert unsere Reise zu fünft fortsetzen zu können.

Nun ging es wieder über die Bundesstraße Richtung Istanbul. Uns fiel sofort auf, um wieviel besser die Straßen in der Türkei waren: breit, sauber und weitläufig. Kurz vor Edirne verabschiedeten wir uns schweren Herzens von Mario, der von hier mit dem Autoreisezug den Heimweg antrat. Von Edirne fährt der Zug über eine 1400 km lange Strecke bis nach Villach in Österreich. Einmal in der Woche fährt dieser Zug von Edirne quer durch Bosnien, Serbien, Kroatien und Slowenien zurück nach Villach und wieder zurück. Der Transport von Autos und Motorrädern und der Service im Zug werden von der deutschen Firma Optima-Express durchgeführt.

„Merhaba İstanbul“

Für Andreas, Anna, Verena und Martin ging es weiter nach Istanbul. Zuerst über Bundesstraßen und dann auf der Autobahn E80 kamen wir rasch nach Istanbul. Dort angekommen, schwammen wir mit dem Verkehr durch die Stadt. Nach einer abenteuerlichen Strecke über eine gepflasterte, enge Fußgängerzone, die uns in eine kleine Seitengasse führte, begann das Chaos. Zuerst einmal keine Spur von unserem Hotel, dazu kamen: kein Internet und dieser unglaubliche Verkehr. Nach endlos erscheinenden zwei Stunden wurden wir schließlich von Einheimischen zu unserem Hotel gelotst. „Endlich, wir haben es geschafft!“, sagte Verena durch ihr Kommunikationssystem, als wir die Motorräder an einem überwachten Parkplatz abstellten. Komplett verschwitzt in unserem Zimmer angekommen, aktivierten wir zuerst die Klimaanlage, und gingen einer nach dem anderen duschen und machten uns wenig später auf in die Stadt.

Istanbul ist ganz klar eine Stadt der Superlative. Die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei mit knapp 15 Millionen Einwohnern ist Zentrum für Kultur, Handel, Finanzen und Medien. Aufgrund ihrer weltweit einzigartigen Lage zwischen zwei Kontinenten und zwei Meeresgebieten, dem Schwarzen und dem Mittelmeer, verzeichnet die Stadt einen bedeutenden Schiffsverkehr. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit wurde die historische Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wir ließen den Abend auf einer der zahlreichen Rooftop Restaurants ausklingen. Bei tollem Abendessen und leckeren Cocktails mit Blick über Istanbul.

Am nächsten Tag starteten wir mit einem unglaublichen Frühstück unser Istanbul-Sightseeing Abenteuer. Im Arad Café tischten uns die Kellner ein riesiges Frühstück auf: Humus, Marmelade, Honig, Joghurt, Käse und vieles mehr. Es wurde in kleinen bunten Schälchen serviert und erinnerte uns sehr an unsere Reise nach Marokko. Es folgte eine Sightseeingtour durch die Stadt: der große Bazar, Hagia Sophia, Sultan Achmed, Römische Zisterne und so weiter. Ein absolutes Highlight war für uns das Treiben am Wasser. An der Küste und den Brücken sind viele Fischer, Touristen und Schwimmer. Die Mischung mit dem vielen Verkehr und der Lautstärke von den Schiffen hat eine ganz besondere Wirkung. Wir beschlossen Nahe dem Galata-Turm zu essen und genossen die tolle Aussicht über die Stadt.

Ab nach Hause

Wie so oft wurden wir in den Morgenstunden vom Muezzin geweckt. Er ruft die Muslime fünfmal täglich zu bestimmten Uhrzeiten zum Beten in die Moschee. Das gehört für uns einfach dazu und verleiht dem Urlaub die richtige Stimmung. Wie so oft packten wir unsere Sachen und holten unsere Motorräder aus den bewachten Parkplätzen. Vorbei an Kilometer langen Staus schafften wir es zur griechischen Grenze. Vorbei an Alexandraupolis fuhren wir in den Nationalpark Neston Delta. Wir waren froh wieder auf kleinen Straßen unterwegs zu sein. Flamingos und eine Formation aus vielen kleinen Kanälen erinnerten uns eher an Italien als an Griechenland. Die nächsten Tage hielten wir uns auf verschiedenen Campingplätzen entlang unserer Route nach Thessaloniki auf. Wir genossen unseren Urlaub in vollen Zügen. So ließen wir den Campingkocher eingepackt und aßen regionale Spezialitäten, viel Fisch und tranken Mythos zum Abendessen.

In Thessaloniki angekommen wollten wir unbedingt unsere Reifen wechseln lassen. Da wir noch mehr als 4.000km vor uns hatten und dabei auch wieder die ein andere Offroadstrecke geplant hatten.  Mit rauen und öligen Händen wurden wir in der Werkstatt von Alex Natos begrüßt. Bereits in zweiter Generation ist er die Ansprechperson für Reifen jeder Art in Thessaloniki. Wir wurden wie so oft herzlich willkommen geheißen und mussten uns um nichts mehr kümmern. Wir entschieden einen frischen Satz Heidenau K60 Scout aufziehen zu lassen. Alex und seine Mitarbeiter arbeiteten sehr sauber und wir konnten rasch unsere Tour fortsetzen.

Wir waren auf den Weg zu einem absoluten Highlight unserer Tour: dem Pindor National Park. Er befindet sich im Nord-Westen Griechenlands an der Grenze zu Albanien. Wir verließen die kleinen Landstraßen und fuhren in Richtung Vovousa unserer ersten Unterkunft. Die Straßen wurden immer kleiner und plötzlich sind wir abschnittsweise auf kleinen Singletracks unterwegs. Kleine Dörfer und die beeindruckende Landschaft erinnerten uns eher an die Alpen und nicht an Griechenland. Entlang der Straße sehen wir immer wieder beeindruckende Schluchten und tolle Fotomotive mit kleinen Steinbrücken. Hier könnten wir locker ein paar Tage verbringen. Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg vom Westen des Nationalparks Richtung Albanien. Wir kontrollieren unsere Dokumente als Martin seinen Zulassungsschein nicht finden konnte. Nach langem hin und her überlegen erinnerte sich Verena plötzlich an die letzte Unterkunft. Dort hat sie Martins Zulassungskarte als Zimmerkarte verwendet damit wir unsere Kameras fertig laden konnten. Der Ärger war groß aber es blieb uns nichts anderes übrig als die 150 km wieder zurück zu fahren um die Karte zu holen. Wir machten uns früh am Morgen auf den Weg und hatten jede Menge Kurven vor uns. Bei der Unterkunft angekommen wartete bereits der Chef mit Martins Karte in der Auffahrt zur Pension. Nun konnten wir uns auf den Weg nach Albanien machen. Vor der Grenze stießen Andreas und Anna zu uns sodass wir den Grenzübergang gemeinsam überqueren konnten.

Schweiß, Konzentration und Schutzengel

Nach erholsamen Tagen in Griechenland konnten wir noch nicht wissen das Albanien ein paar ganz besondere Abenteuer für uns bereithalten würde. Wir fuhren auf der E86 Richtung Korca wo wir die erste Nacht verbrachten. Weiter auf der SH3 und der E86 beschlossen wir zum Ohridsee zu fahren und weiter nach Nordmazedonien in den Mavrovo-Nationalpark. Immer wieder rissen wir uns mit einem lauten „Aufpassen!!“ oder „Schau!!“ aus der Konzentration. Der Verkehr oder besser gesagt die Verkehrsteilnehmer in Albanien und auch Nordmazedonien lassen keine Sekunde Unaufmerksamkeit zu. Riskante Überholmanöver, Vorrangverstöße und aggressives Verhalten schien hier dazu zu gehören. Unser Ziel war der Mavrovo-Nationalpark. Er wurde 1949 gegründet und hat eine Fläche von 731km². Touristisch wird der Nationalpark zum Wandern, Radfahren und Skifahren genutzt. Unser Highlight war der Besuch der orthodoxen St. Niklaus-Kirche. Sie wurde 1850 erbaut und im Jahr 1953 vom Stausee überschwemmt und erst im 21. Jahrhundert wieder trockengelegt. Ein toller Fotostopp mit tollen Restaurants am Weg, wo wir den Abend ausklingen ließen.

8 Stunden für 65 Kilometer

Nach einem Tag quer durch Albanien und geschätzten 25 Schutzengeln später kamen wir am Nachmittag in der Nähe von Shkodra an. Dort tankten wir unsere Motorräder noch einmal bis zum Rand voll bevor wir uns auf der SH21 von Norden an das Theth-Tal näherten. Das Theth-Tal stand schon bei der Vorbereitung unserer Reise ganz oben auf der To-Do Liste. Der Nationalpark liegt schwer erreichbar etwa 70 km von Shkodra entfernt. Das eindrückliche Gebirgspanorama mit hohen Felswänden machen den Nationalpark zum touristisch interessanten Gebiet, das sich gut für kleine und große Wanderungen eignet. Für Motorradfahrer ist es besonders durch die Offroadstrecke empfehlenswert. Hier wurde bereits mit dem Straßenbau der Nordzufahrt begonnen. Diese brachten wir relativ rasch hinter uns und genossen dabei das unglaubliche Panorama entlang der schmalen Bergstraßen. Wir kamen dabei aber ganz schön ins Schwitzen da immer wieder kleine Touristenbusse und Allradfahrzeuge entgegenkommen. Im Dorf angekommen fühlt man sich um Jahre nach hinten versetzt. Unsere Unterkunft war sehr schön und erst ein paar Monate alt. Sie wurde von einem jungen Mann und seiner Familie geführt. Er erzählte uns, dass in den Wintermonaten nur 80 Menschen im Dort wohnen. In den letzten Jahren hat der Tourismus jedoch stark zugenommen und so wird sich das Leben im Dort in den nächsten Jahren stark verändern. Er sah es einerseits als Chance, aber andererseits hätte er Angst um die Ursprünglichkeit des Dorfes. Blitzblaue Flüsse, saftig grüne Wiesen frische Luft und so gut wie kein Lärm durch Fahrzeuge oder Maschinen sind nur ein paar Dinge, die bei ansteigendem Tourismus auch in diesem versteckten Tal Einzug finden könnten. Wir nutzten unseren motorradfreien Tag, um eine Wanderung zu machen. Dabei besuchten wir natürliche Wasserbecken im Westen des Dorfes und den berühmten Wasserfall von Grunas. Der Wasserfall hat eine Fallhöhe von ca. 30 Metern und gilt als Naturdenkmal in Albanien.

Erholt von den letzten Tagen beschlossen wir das Tal nicht über die Nordrampe zu verlassen sondern die Südroute zu wählen. Wir erkundigten uns am Vortag noch bei dem Chef unserer Unterkunft und er riet uns ab diesen Weg zu nehmen, da er mit seinem Jeep mehr als 8 Stunden benötigen würde. 8 Stunden für 65 Kilometer? Im Internet lasen wir unterschiedliche Meinungen und wir beschlossen uns selbst ein Bild von dieser Route zu machen. So packten wir Vorräte und jede Menge Wasser ein und verließen das Dorf im Süden Richtung Shkodra. Bereits zu Beginn führte uns der Track in ein ausgetrocknetes Flussbett und wir wurden daran erinnert nicht stur nach Navigation zu fahren sondern die Umgebung besser im Blick zu haben. So wurden wir von einer Gruppe von Jeeps zurück auf den Track geführt. Von da an bestand der Track aus kleineren Wegen bergauf und bergab. Schlammig, dann wieder große Steine und felsige Kanten machten die Route zu einem der anspruchsvollsten Strecken die wir bis dahin gefahren sind. Die Hitze machte die Fahrt noch schwerer und so ging uns schnell das Wasser aus. „Oh Nein!“, hörte Martin durch das Kommunikationssystem als er um Kurve kam. Verena stieg gerade von ihrem Motorrad ab um Andreas und Anna zu helfen, sie waren gestürzt. Andreas konnte einem Felsbrocken nicht ausweichen und verletzte sich bei einem Sturz am Bein. Er konnte die Fahrt nur unter Schmerzen fortsetzen. Hätten wir uns doch auf den Mann im Tal verlassen sollen. Mitten am Track trafen wir ein Pärchen aus Kärnten, dass mit einem Allradfahrzeug unterwegs war. Sie sprachen uns gut zu und so sammelten wir die letzten Kräfte und kämpfen uns zurück zur Zivilisation. Wir stoppten bei der ersten Tankstelle und hielten erschöpft an. Als wir die Helme abnahmen konnten wir die Erschöpfung nicht verbergen jedoch lachten wir und blickten einander in die Augen. Wir waren froh auch dieses Abenteuer gemeinsam geschafft zu haben.

Herzerlstraße

Die nächsten Tage waren eine Mischung aus Warten an Grenzübergängen und die Suche nach Schattenplätze am Nachmittag. Wir haben die Hitze im August unterschätzt und so kamen wir trotz unserer luftigen Rallye Anzüge ganz schön ins Schwitzen. Anna und Andreas erkundeten die Küstenstraßen während wir der Route durch die Berge folgten. So kamen wir in den berühmten Durmitor National Park. Die atemberaubende Landschaft mit den hohen Gipfeln und tiefen Schluchten war für uns ein weiteres Highlight der Tour. Rund um Durmitor wurde im Jahr 1952 der gleichnamige Nationalpark gegründet. Seit 1980 zählt er zum UNESCO Welterbe. Im Sommer lockt der Park mit seinen zahlreichen Wanderwegen und Bergsteigrouten durch die faszinierende Gebirgslandschaft. Eine Mischung aus mediterranem und alpinem Klima lässt eine faszinierende Flora und Fauna gedeihen.

In Kroatien war uns der Verkehr, die Hitze und vor allem die vielen Touristen zu viel und so drückten wir aufs Gas und kamen nach Slowenien. Wir genossen die letzten Tage unserer Tour so richtig aus und fühlten uns wie so oft in Slowenien sehr wohl. Am Weg zurück nach Österreich besuchten wir noch einen letzten besonderen Punkt unserer Reiseplanung: Die Herzerlstraße. Eine Straße in der Form eines Herzens inmitten von idyllischen Weinreben. Wir fuhren von Gamlitz kommend, die L613 entlang und bogen in die Spicnik Straße ein. Und schon sahen wir ein grünes Schild am Straßenrand mit der Aufschrift „Herzerlstraße“. Die Straße liegt unmittelbar an der Grenze zwischen der Steiermark und Slowenien. Bereits seit Jahren ist sie ein berühmtes Fotomotiv und beliebtes Ausflugsziel. Nur von einem bestimmten Aussichtspunkt und Blickwinkel offenbart die kleine Straße ihre Herzform.

Dieser ganz besondere Punkt war für uns auch die Endstation einer ganz besonderen Reise. Für uns war es nicht nur eine Motorradtour, es war unsere Hochzeitsreise. Die wir nicht nur zu zweit bewältigten sondern vor allem als Team gemeinsam mit Mario, Anna und Andreas gemeistert haben. Für uns war das eine neue Erfahrung und wir sind froh, dass sie ein Teil davon waren. Wir sind als Ehepaar mit diesen Abenteuern gewachsen und blicken gemeinsam in unsere weitere Zukunft.

Länderinfos

Das Wetter auf der Balkanhalbinsel kann sehr unterschiedlich sein. Die beste Reisezeit für eine solche Rundreise ist der Sommer, da die hohen Bergpässe bis weit in den Juni gesperrt sein können. 

Im Sommer muss man jedoch mit hohen Temperaturen und Trockenheit rechnen.

Reiseroute

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