Schottland Reisebericht

Schottland Reisebericht:

 

„Warum fährt man nach Schottland? Regnet es da nicht andauernd?“

„Dort gibt es nichts außer raues Wetter, Schafe und Whiskey!“

 

Doch für uns stand eines fest…

Schottland here we come!!

Es ist ein herrlicher Sommerabend im Juli als unsere Reise mit dem Eintreffen am Hauptbahnhof begann. Der Zug bringt uns nach Düsseldorf und unserem Ziel ein kleines Stück näher. In unserem Schlafwagenabteil machten wir es uns gemütlich. Da die Fähre erst am nächsten Abend ablegt, genossen wir die verbleibende Zeit in Amsterdam.

Plötzlich Stau auf der Autobahn am Weg zur Fähre! Wir schlängelten uns zwischen die Autos hindurch bis plötzlich ein Schranken den Weg versperrte. Vor uns fuhren eine Handvoll Segelschiffe quer unter der Autobahn vorbei. Ein sehr amüsantes Schauspiel. Schnell eingecheckt machten wir schon die ersten Bekanntschaften, die sich beim Verladen und Festgurten der Motorräder als hilfreich erwiesen. Die Überfahrt mit der DFDS Fähre war dank Kino und ruhigen Seegangs sehr angenehm.

 

Hay, good scotish weather, the rain comes slightly from the side.

Heißt es in einem alten schottischen Sprichwort: Ist doch gutes schottisches Wetter, der Regen fällt fast lotrecht, nur leicht zur Seite geneigt. Das beschreibt sehr gut, wie wir nach der Überfahrt vom englischem Wetter begrüßt worden sind. Nach wenigen Kilometern auf der „falschen“ Straßenseite waren wir rasch im Linksverkehr angekommen.

Die Landschaft rund um das Grenzgebiet auf der A68 zwischen England und Schottland bot uns schon einen Vorgeschmack auf die Highlands. Am Grenzübergang wollten wir eigentlich nur ein schnelles Foto machen. Wir bauten unser Stativ auf und brachten unsere Motorräder an die richtige Stelle. Doch dann plötzlich ein Autobus voller Touristen. Ein Blick auf die andere Straßenseite machte klar, wir müssen die Straßenseite wechseln. Dort waren wir ungestört, und so entstand unser Foto am Grenzstein nach Schottland. Am Weg nach Edinburgh machten wir Halt in Jedburgh. Die Ruine ist einen Besuch wert und bietet einen super Blick auf die Architektur des Augustienerklosters. Es folgen zwei Tage Sightseeing und Entspannen im 4* Sterne Hotel im Norden von Edinburgh.

 

„Schottlandfeeling“

Jetzt ging es so richtig los. Wir ließen die Hauptstadt hinter uns und das nicht trocken, sondern nass „bis auf die Unterhose“. Das Wetter hieß es wieder einmal nicht gut mit uns. Daher wählten wir die M90 bis nach Perth. Als sich der Himmel öffnete, spürten wir zum ersten Mal das berühmte Schottlandfeeling. Die ersten Sonnenstrahlen tauchen die Landschaft in ein ganz besonderes Licht, das wir so noch nirgends vorher gesehen haben. Mit den steigenden Temperaturen stieg auch die Stimmung, und wir genossen die ersten Kurven im Trockenen. Richtung Glenshee auf der A93, oder besser bekannt als Old Military Road, merkten wir, dass wir uns schön langsam den Highlands näherten. Am Breamar Caravan Park angekommen bezogen wir unseren Camping-Pod, der rechtzeitig zu unserer Reise fertiggestellt wurde. Die Holzhütte lässt keinen Wunsch offen. Sie ist mit einer Heizung ausgestattet, was zum Trocknen unserer Handschuhe und Stiefel perfekt war.

Von Breamar ging es für uns weiter auf der Old Military Road Richtung Inverness, der zwölft größten Stadt Schottlands. Vorbei an Skigebieten machten wir am Loch Morlich halt, wo wir die Sonnenstrahlen an der alten Holzterrasse vom Wassersportclub genossen. Die hausgemachten Suppen sind ausgezeichnet. Kurz vor Inverness bogen wir auf die A82 ab. Auf der linken Seite bot sich ein wundervoller Blick auf Loch Ness bis hin zum Urquart Castle. Monster haben wir leider keine gesehen, aber das ist bei den super Aussichtsmöglichkeiten rund um den See nebensächlich. Am Campingplatz angekommen bauten wir bei Sonnenschein zum ersten Mal unser Zelt auf. Nach kurzer Zeit lernten wir eine Bikergruppe aus Newcastle kennen. Bei Bier und Whiskey verbrachten wir noch einen gemütlichen Abend.

Der Start auf der North Coast 500 machte Lust auf mehr, deshalb bogen wir auf die A836 ab. Die Straße führte uns ins Landesinnere und war ein richtiges Kurvenspektakel. Was besonders Spaß macht, sind die extremen Wellen in der Fahrbahn, an die man sich erst gewöhnen muss. Die A9 führte uns weiter in den Norden zu unserem nördlichsten Ziel in Schottland. In John o Groats angekommen bemerkten wir, dass hier im Norden die Luft rauer wird. Wir trafen unsere englischen Freunde und nutzten die Möglichkeit, um ein gemeinsames Foto an der berühmten Wegtafel zu machen. Am John O Groats Camping & Caravan Park schlugen wir für diesen Tag unser Zelt auf. Die berühmten Fish and Chips von der Imbisshütte „The Cabin“ muss man probiert haben, nebenbei kann man die ablegenden Fähren auf die Orkneys beobachten.

Die Route nach Durness führte uns fast ausschließlich auf Single Track Roads die Küste entlang. Wir waren sehr überrascht, dass wir so gut wie alleine in der weiten Landschaft waren. Wenn einmal ein Motorradfahrer unsere Wege kreuzte, begrüßte man sich und genoss wieder für einige Zeit die Ruhe der Highlands. Hier trifft man schon mehr Schafe als Menschen. Die A838 schlängelt sich von Ort zu Ort, bevor man an der berühmten Smoo Cave vorbeikommt – auf alle Fälle ein Besuch wert. Weiter an unserem Campingplatz Sango Sands Campsite vorbei ging es zu einem wahren Insider Tipp: „Cocoa Mountain“ Schokoladenmanufaktur. Bei einer heißen Schokolade mit jeder Menge Sahne, kleinen Marshmallowstücken und Schokoladensauce genießt man das Schottische Wetter.

 

We need help

Am nächsten Tag fuhren wir bereits weiter in den Süden und genossen die wärmeren Temperaturen. Der Westen zeigte sich von seiner besten Seite. Auf den Single Tracks der A894 sollte man jedoch wachsam sein, da nach jeder Kurve eine Gefahrensituation lauern kann. Bei einem Ausweichmanöver kam Martin leider von der Straße ab und rutschte in den Straßengraben. Zum Glück ist außer ein paar Schrammen am Sturzbügel alles gut gegangen. Mit der Hilfe von ein paar kräftigen französischen Motorradfahrern konnten wir die GS wieder auf die Straße bringen. In Ullapool angekommen überraschte uns ein kurzer Regenschauer. Da wir gerade unser Zelt aufbauen wollten, verschoben wir dies und beschlossen erstmal was zu essen. Im Restaurant „The Frigate Cafe“ wurden wir fündig. Die Burger und Sandwiches waren exzellent. Kaum aufgegessen wurde uns plötzlich warm in unseren dicken Motorradklamotten. Der Grund war, dass es plötzlich wieder sonnig war und daher auch gleich die Temperaturen auf 20 Grad geklettert sind. Am Abend genossen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang im Meer. Was für ein Tag!

Entlang der zerklüfteten schottischen Westküste ging es weiter zum Strand Achmelvich Bay. Der weiße Strand und das türkisblaue Meer erinnerten uns eher an die Karibik als an Schottland. Da der Campingplatz bis auf den letzten Platz ausgebucht war, beschlossen wir weiter zu fahren. Unser Ziel war der kleine Ort Applecross. Bereits im Vorfeld unserer Planung hörten wir von der berühmten Passstraße „Bealach na ba“, die viele Jahre lang die einzige Verbindung nach Applecross war. Vom Aussichtspunkt hat man an klaren Tagen eine ausgezeichnete Sicht entlang der Küste.

Bei miesem Wetter ging es über die Skye Bridge auf die berühmte Halbinsel Skye. Schnell wurde uns klar, dass wir uns hier erst an die Touristenmassen gewöhnen müssen. So allein wie wir die letzten Tage auf unseren Touren waren, umso mehr Busse und Mietautos hatten wir an diesem Tag vor uns. Entschädigt wurden wir mit Sonnenschein und beeindruckenden Ausblicken entlang der Straße A855 Richtung Uig. Vorbei am Kilt Rock Fall und dem Skye Museum. Weiter ging es auf der A863 und der A8009. Ein absolutes Highlight unserer Reise war der Besuch des Old Inn bei Carbost. Nur unweit von unseren Campingpods befand sich das traditionelle Pub „Old Inn“. Wir bekamen den Tipp, ab 20 Uhr die Livemusik bei einem kühlen Lager zu genießen. Jedoch nicht so lang, weil wir am nächsten Tag in der Früh die Fähre erwischen wollten.

 

The next ferry leaves in the afternoon.

Ja, da staunten wir nicht schlecht, als wir in Armadale zum Fährhafen gefahren sind und uns der Mitarbeiter am Parkplatz ganz hysterisch abgewunken hat. Also zurück zur Skye Bridge und weiter nach Fort William. Am Weg dorthin machten wir Halt am berühmtesten Schloss Schottlands dem Eilean Donan Castle. Wie bestellt endete der zweistündige Starkregen, und die Sonne tauchte das Schloss in eine ganz besonderes Licht. Bevor es auf den Campingplatz ging, beschlossen wir noch das Commando Memorial an der A82 zu besuchen. Die Lage bietet eine wundervolle Sicht auf den Ben Nevis.

Der höchste Berg Großbritanniens trieb uns am nächsten Tag den ein oder anderen Schweißtropfen in das Gesicht. Wir beschlossen an unserem ersten motorradfreien Tag seit Edinburgh den 1043 m hohen Berg zu besteigen. Am Vortag erzählte uns ein Einheimischer, dass wir uns warm anziehen sollten. Kurz unterhalb des Gipfels wussten wir plötzlich warum. Bei unter 10 Grad, Nebel und Schneeregen war es alles andere als ein Spaziergang. Am Rückweg zum Campingplatz trafen wir Wanderer aus der Schweiz, die uns erzählten, dass die Sicht vom Gipfel aus nur 10 Tage im Jahr klar ist.

It’s all just about the motorbikes.

It always has been, it always will be. Ewan Mc Gregor, Long Way Round

Der nächste Tag führte uns an der A82 am Glencoe vorbei zum Loch Lomond. Das erstgenannte Glencoe ist – so wie Skye – von Touristen überlaufen. Wir hatten wieder einmal jede Menge Glück mit dem Wetter, und die Mischung aus Wolken und Sonne hätte nicht besser sein können. Ab auf die Bikes und weiter nach Loch Lomond. Die Straße am Westufer des Sees ist ein wahrer Genuss aus Kurven und Wellen. Wir kamen so unserem heutigen Ziel immer näher. Dem berühmten Museum of Transport in Glasgow. Das von Zaha Hadid entworfene Museum war 2015 eines der meist besuchten Sehenswürdigkeiten Schottlands. Als wir dann endlich vor der Wand mit den Motorrädern standen, war es ein ganz besonderes Gefühl. Oben sahen wir dann die beiden Bikes von Schauspieler Ewan Mc Gregor aus den zwei Weltreisen Long Way Round und Long Way Down stehen.

Unsere Tour neigte sich schön langsam dem Ende zu, und wir hatten noch einen Tag Zeit, bevor es zurück zur Fähre ging. Daher beschlossen wir den Tipp von Mark aus Newcastle zu befolgen und fuhren weiter in den Süden über die Grenze in den Lake District. Dies stellte sich als goldrichtig heraus. Bei perfektem Wetter verbrachten wir einen wundervollen Tag im Nationalpark. Unsere englischen Freunde vom Campingplatz in Inverness begleiteten uns die letzten Kilometer nach Newcastle. Sie zeigten uns den Angel of the North, die rostbraune Stahlfigur eines Engels hat die Flügelspannweite eines Jumbojets. Die Konstruktion und Bauweise ist mit sehr vielen Details geschmückt. Wir verabschiedeten uns an Deck der „Earl of Zetland“ und beschlossen weiter in Verbindung zu bleiben.

 

Lächelnd blickten wir uns an, als der letzte Zurrgurt an unseren Motorrädern gespannt war und wir das Kapitel England und Schottland fürs erste schließen konnten.

 

Verena & Martin

 

Informationen:

 

Campingplätze:

  • Braemar Caravan Park
  • Inverness Bunchrew Park
  • John O Groats Caravan and Camping
  • Durness Sango Sands Oasis
  • Ullapool Shore Campsite
  • Applecross Caravan and Camping
  • Glen Nevis Campsite
  • Castlerigg Hall Caravan & Camping Park

 

Hotels:

  • Hilton Garden Inn Glasgow
  • Edinburgh Malmaison Hotel

 

Restaurants:

  • John O Groats „The Cabin“
  • Durness „Cocoa Mountain“
  • Ullapool „The Frigate Cafe“
  • Loch Morlich Watersports
  • Applecross Inn
  • Carbost „The Old Inn“
  • Restaurant am Campingplatz Castlerigg Hall

 

Museum:

  • National Museum Edinburgh
  • Jedburgh Abbey
  • Smoo Cave Durness
  • Riverside Museum Glasgow

 

Gefahrene Kilometer:

  • in Schottland 2200 km (3800 km gesamte Reise)

 

An- und Abreise:

  • Fähre Amsterdam/Ijmuiden – Newcastle

 

Reisezeit:

  • Juli und August

Route:

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